Archiv für Juli 2005

Cabo Verde

{GALERIE} caboverde_01.jpg„Ein mörderischer Verrückter entfacht eine Meuterei auf einem Walfänger, weil er ein Königreich auf den Kapverden aufbauen will. Mithilfe eines Beils metzelt er erst den Kapitän und dann mehrere Matrosen nieder.“ Was sich so ähnlich wie der Beginn zum Drehbuch der Fortsetzung des legendären Streifens „Meuterei auf der Bounty“ anhört, kann man vielleicht auch auf den Wave-Weltmeister des Jahres 2003, Josh Angulo, beziehen. Er hat zwar weder jemanden niedergemetzelt, noch kam er mit einem Walfänger auf die Kapverden, noch ist er ein mörderischer Verrückter, aber er ist immerhin dabei, sein eigenes Königreich auf Sal aufzubauen. Eine der cleansten Wellen der Welt (Punta Preta), gute Windsurfbedingungen, boomender Tourismus und vielleicht auch die nicht ganz unwesentliche Tatsache, dass seine Frau Kapverdierin ist, zogen ihn auf den seit 1975 selbstständigen Inselstaat.
Und auch uns locken die Berichte, Fotos und Erzählungen über das „Paradies der Wassersportler“ Anfang des Jahres 2005 gen Süden. Mitte Januar machen wir uns auf den Weg. Wir, das sind Lars als Fotograf, Michi und Alexander als Windsurfer und uns Kalle als Maskottchen. Die Reise beginnt in München, von wo aus wir mit der Fluglinie TACV innerhalb von sechs Stunden direkt nach Sal fliegen. Beim Betreten des Flugzeuges wird die Herkunft der kapverdischen Fluggesellschaft deutlich. Man hat es sich erfolgreich zum Ziel gemacht, den heimischen „Way of Life“ schon während des Fluges den Gästen näher zu bringen. Verschiedene Farbgestaltungen schmücken jeden Sitz in ganz individueller Art und Weise und die Flugbegleiterinnen schlendern mit der ganz typischen Gelassenheit durch die Gänge. Stress mag nie so richtig aufkommen, was uns aber eher positiv auffällt. Unsicher fühlt man sich in der Maschine jedenfalls nicht und das ist die Hauptsache.
{GALERIE} caboverde_02.jpg Wir landen gegen 14:00 Uhr auf dem sympathischen Flughafen von Sal, wogegen der Freizeit-Flughafen von Wanne Eikel wie ein „International Airport“ wirkt. Eigentlich sollte unsere Reise mit einem Anschlussflug nach Boa Vista weitergehen, wo die ITOMA schon auf uns wartete. Nur leider war der Transport unseres 140 Kilogramm schweren Windsurfequipments mit der kleinen Inlandsmaschine unmöglich. Unser Tipp für dich an dieser Stelle: Pack lieber mehrere ganz kleine Bags anstatt drei, vier Tripple-Boardbags! Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du mitgenommen wirst, größer! Eine Garantie gibt es jedoch nicht. Zum Glück bieten sich noch andere Möglichkeiten an, von Sal nach Boa Vista zu kommen. Dazu kommen wir aber später. Also Planänderung: Wir stopfen unser Equipment in vier Taxen und fahren nach Santa Maria, der touristischen „Hochburg“ der Insel. Unser Hotel, das Leme Bedge, ist schnell gefunden und liegt direkt am Meer mit angegliedertem Planet Windsurf Pool. Was für ein Glück: Wir kommen pünktlich zur Happy Hour und der Abend beginnt mit leckerem Caipirinha am Strand mit Blick auf die Bucht von Santa Maria, wo die Alexander von Humbold, besser bekannt als das „Becks-Schiff“, gerade vor Anker gegangen ist.
{GALERIE} caboverde_03.jpg Die nächsten sieben Tage lernen wir Sal besser kennen. Unser Offroader bringt uns auch abseits der Pisten sicher um die Insel. Ein 4-Wheel-Drive ist absolute Pflicht, wenn man auch abseits der geteerten Straße vorankommen möchte und von denen gibt es auf Sal nicht sonderlich viele.
Am dritten Tag unserer Reise erleben wir ein Wunder der Natur: Es regnet und seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf den Kapverden soll es auf Sal im Januar noch nie einen Tropfen gegeben haben. Macht nichts, denken wir und fühlen uns bei 17 Grad Lufttemperatur und sechs bis sieben Beaufort bei Nieselregen unheimlich heimisch. Doch schon am nächsten Tag hat das Wetter zu seiner Normalform zurückgefunden und wir mischen uns bei guten vier Windstärken am Kitebeach ins Geschehen. Der Kitebeach ist etwa 15 Autominuten von Santa Maria entfernt und ist, wie der Name schon vermuten lässt, Treffpunkt der Kiter. Der Boden im Wasser ist sandig. Und auch wenn dicht unter der Sandschicht ein Riff liegt, ist der Spot ungefährlich, da das Riff keine scharfen Kanten aufweist – jedenfalls nicht dort, wo wir draußen waren …
Abends bekommen wir noch einen Eindruck von Punta Preta, dem legendären Wavespot genau auf der anderen Seite der Insel. Die Wellen müssen dort mindestens zwei bis drei Meter hoch sein, damit sie weit genug weg vom Land brechen. Und dann ist der Spot wirklich eine Macht. Eine schnelle Right zieht sich in die kleine Bucht hinein und schiebt den schräg ablandigen Wind vor sich her. Aber man muss schon ehrlicherweise sagen, dass dieser Spot nur was für Experten ist. Der Wind ist nämlich nicht sonderlich stark und, da er über Land kommt, auch recht böig. Die Windsurfer haben es da schwerer als die Kiter, weil sie eher rausdümpeln müssen, während die Kiter den regelmäßigeren Wind in 20 Meter Höhe nutzen können. Und ohne richtig Druck im Segel auf ein Set zu warten und dabei auch noch die richtige Position zu haben, ist schon ziemlich heikel. Wenn man es dann geschafft hat, auf die Welle zu kommen, hat man plötzlich so viel Druck im Segel, dass man sich einen Quadratmeter weniger Tuch in der Hand wünscht. Trotzdem ist das Spektakel schön anzusehen und so ist es nicht unüblich, dass an einem guten Tag über 100 Zuschauer am Strand die Aktiven bewundern.
{GALERIE} caboverde_04.jpg Wenn der Spot läuft, gibt es etwas nördlicher in Calheta Funda eine gute Ausweichmöglichkeit. Hier kommt der Wind sideshore von rechts und die Wellen sind nicht ganz so groß und kräftig. Der Name ist ausgeschildert, obwohl es sich nur um einen kleinen Strand handelt.
Am nächsten Tag macht der Wind eine Pause und wir haben das Glück, von Carlos Enrique Santos, dem Manager von Planeta Cabo Verde und vom Hotel Leme Bedge, den kulturellen Hintergrund der Inseln zu erfahren.
Die Kapverdischen Inseln mit ihren 400.000 Einwohnern sind ein Archipel vulkanischen Ursprungs und bestehen aus neun bewohnten und sechs unbewohnten Inseln. Die gesamte Landfläche beträgt 4033 Quadratkilometer und ist damit kleiner als das Ruhrgebiet. Die Inseln liegen 550 Kilometer vor der Küste Senegals (westlich von Afrika), auf halbem Seeweg von Portugal nach Brasilien. Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 ist die República de Cabo Verde ein eigenständiges Land. Hufeisenförmig liegen die Inseln im Atlantik und im ständig blasenden Nordostpassat. Die oberen Inseln (bis Boa Vista) gehören zur Barlavento-Gruppe (über dem Wind), die restlichen vier zur Sotavento-Gruppe (unter dem Wind).
{GALERIE} caboverde_05.jpg Ilha do Sal ist die flachste der Barlovento Inseln von Kapverden. Ihre höchste Erhebung ist der Monte Gordo und liegt nur 400 Meter über dem Meeresspiegel. 11.000 Menschen leben auf Sal und diese Anzahl steigt unablässig infolge ihrer ständigen Entwicklung und dank neuer Arbeitsmöglichkeiten. Die meisten Bewohner von Sal leben in Espargos, der Hauptstadt, die in der Mitte der Insel liegt und nur wenige Kilometer vom internationalen Flughafen A. Cabral entfernt ist. Innerhalb eines Tages kann man die Insel und die wenigen Sehenswürdigkeiten mit einem Auto gut erkunden. Ein geländegängiger Wagen ist dabei von großem Vorteil.
Bedingt durch die „salzige Geschichte“ von Sal bietet sich vor allem der Besuch der Salinas bei Pedra Lume an. Die Bucht von Santa Maria, etwa 18 Kilometer von Espargos entfernt, ist das touristische Dörfchen auf der südlichen Küste. Santa Maria ist während der letzten zehn Jahre als ein interessantes touristisches Ziel wiederentdeckt worden. Dies hat folglich zu einer großen Entwicklung im Hotelgewerbe geführt. Heute liegen an der Küste tatsächlich mehrere Hotels und touristische Einrichtungen mit allen Bequemlichkeiten und vielen Angeboten rund um den Wassersport. Die Surfszene und die größten Ferienanlagen befinden sich am weißen Sandstrand von Santa Maria.
Auch kulinarisch ist die Insel vom Angebot des Meeres geprägt. Das wohl traditionellste Gericht der Insel sind gekochte Schalentiere mit einer Reisbeilage und wird in allen Restaurants angeboten. Und das probieren wir am gleichen Abend auch noch aus, um uns für unseren Trip nach Boa Vista am nächsten Morgen zu stärken.
{GALERIE} caboverde_06.jpg Da uns der Flieger ja nicht mitnehmen wollte, heuern wir als Leichtmatrosen auf der Estrela Nova an! Das etwas in die Jahre gekommene Schiff dient heute als Transportfahrzeug für den Warenaustausch zwischen den Inseln und befördert für 35 Euro auch Menschen. Kalle finanziert seine Überfahrt natürlich selbst, indem er mit einer Zahnbürste das Deck schruppt. Die Überfahrt dauert etwa dreieinhalb Stunden und ist wesentlich entspannter, als in einem engen Flugzeug zu sitzen.
Die Insel Boa Vista ist die östlichste der Kapverdischen Inseln und wurde 1456 von Kapitän Cadamosta entdeckt. Die Insel hat eine Größe von 620 Quadratkilometern und wartet mit 55 Kilometer weißen Sandstränden und smaragdgrünem Wasser auf. Das Sensationelle an den Stränden ist, dass man wirklich für Stunden keine Menschenseele trifft, wenn man es nicht möchte. Wenn man einen guten Strand gefunden hat, kann man einen Kilometer nach Norden und einen Kilometer nach Süden sehen. Nichts als weißer Strandsand. Michi nimmt die Gelegenheit natürlich war, um seiner gewohnten FKK-Neigung nachzugehen.
Insgesamt leben 3.353 Menschen auf der kleinen Insel. Deren Bezeichnung Boa Vista („schöne Aussicht“) beruht auf einer Legende, nach der ein Seemann vom Ausguck des Segelmastes statt dem traditionellen „jerra a vista“ (Land in Sicht) die Insel mit dem Freudenschrei „Capitano, boa vista“ ankündigte. Wäre die Insel 500 Jahre später von den Windsurfern entdeckt worden, hätten sie ihr sicherlich keinen anderen Namen gegeben.
Die eigentliche Besiedlung fand erst ab 1620 statt, als die erste Ortschaft Povocao do Velha entstand und eine Gruppe von Engländern mit der Salzgewinnung begann. Das bedeutete eine entscheidende Verbesserung der Inselwirtschaft und zog andere Kunsthandwerksindustrien, wie die Tuchherstellung und die Keramikfabrikation, nach sich. Ab diesem Zeitpunkt blühte die Insel stark auf und wurde zu einem wichtigen kulturellen Zentrum des Archipels. Kurze Zeit später entdeckten Piraten, angezogen von den dort hergestellten Waren, die Inseln. 1815 und 1817 wurde die Insel geplündert, was den Bau der Festung „Duque de Braganca“ auf dem Eiland Sal-Rei zur Folge hatte – heute eine der Hauptattraktionen auf den Kapverden für Touristen. Doch auch kulturell hat Boa Vista mehr als die anderen Inseln zu bieten, denn Boa Vista wird nicht nur als die Wiege der „Morna“ (der Name kommt aus dem Englischen „to mourn“, was „weinen“, „beklagen“ bedeutet), der eigentlichen Musik von Cabo Verde betrachtet. In den Werkstätten und Geschäften der Insel kann man auch Stickereien, Tonpuppen, Strohhüte und verschiedene Artikel, die aus Horn- und Kokosnussschalen gemacht werden, finden.
Das kleine Fischerdörfchen Sal Rei mit seinem großen Marktplatz und der mächtigen Kirche „Sao Isabel“ liegt im Nordwesten der Insel an einer herrlichen Sandbucht. Eine Hand voll Tavernen, eine Surfer-Bar, eine für den Ort sehr große und fortschrittliche Bank, eine Arztpraxis und ein paar Läden bilden das kulturelle Zentrum von Boa Vista. Hier werden Langusten und Thunfische noch fangfrisch aufgetischt. Von den Stränden, die die ganze Insel umgeben, hebt sich Currolinho hervor, der beste Strand von ganz Kap Verde, der durch seine Ähnlichkeit mit dem Strand gleichen Namens in den Vereinigten Staaten von Amerika auch bekannt ist als „Santa Monica“. Massentourismus, Stress und Hektik gibt es auf Boa Vista nicht.
Während unseres Aufenthaltes auf Boa Vista ist uns der Windgott leider nicht wohl gesonnen. Und so entspannen wir einfach und genießen die absolute Ruhe auf dieser Insel. Und genau darüber sollte man sich auch im Klaren sein, wenn man sich dazu entschließt, Boa Vista zu besuchen. Partys, Action oder was sich sonst noch so alles auf Inseln wie Mallorca findet, gibt es auf Boa Vista nicht. Wir haben das aber als super angenehm empfunden und setzen nach vier super entspannten Tagen wieder nach Sal über.
Auf Sal verbringen wir noch ein, zwei Tage direkt an der Surfstation von Planet Windsurfing am Strand des Hotels Leme Bedge bei typischen Bedingungen – flaches Wasser, Sonne, vier bis fünf Windstärken. Ein ideales Revier für Freerider und Freestyler.
Unser Trip nähert sich dem Ende und so ist es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen. Die Kapverdischen Inseln Sal und Boa Vista sind hübsche, kleine Inseln, die noch weitestgehend vom Massentourismus verschont geblieben sind. Vor allem Boa Vista ist noch mal um einiges ruhiger als Sal. Der Wind weht nie sehr stark, dafür in der Regel beständig, was die Inseln zu einem guten Revier für 95 Prozent der deutschen Windsurfer und Kiter macht. Wer also einfach entspannen möchte und ein Revier sucht, bei dem er fast jeden Tag aufs Wasser kommt, ist mit einer der beiden Inseln bestens bedient.
Nähere Infos bekommst du unter www.sportreisen.de.

Boa vista Spotübersicht:

Die besten Monate sind November bis April. Dann weht der Nordostpassat häufig mit vier bis maximal fünf Beaufort.

Windsurfen und Kiten: Praha do Estoril

Spots:
- Stino:
Hier weht der Wind side offshore von rechts. Es ist ein Flachwasserrevier mit Stehbereich und eher böigem Wind. Gut zum Freestylen!
- Funana:
Der Wavespot funktioniert am besten bei Nordwest-Swell, insofern dieser da ist. Die Welle bricht ab zwei Metern und kann bis zu fünf Metern hoch werden.
- Turtle Bay:
Beliebter Freeridespot, bei Swell auch lange Wellen möglich! Im Vergleich zu Stino gibt es mehr Wind, der auch konstanter ist.

Wellenreiten: Praha Cabral und Riu d’ Janeiro mit Rights und Lefts bei Nordswell. Wellenreiten geht auch in der Turtle Bay bei hohem Swell, in Ervatao und an vielen anderen Stränden wie zum Beispiel in St. Monica, Cural Velho und Ervatao.

Ab in die TonneNicht so gutGeht noch besserGanz gutEcht gut!Hammer!!!! (bisher keine Bewertungen)

Down the Line

{GALERIE} line_1.jpg„Bis der liebe Gott am Abend das Licht ausmacht.“
Die Welle, von althochdeutsch „wellan“ („wälzen“), ist im physikalischen Sinne eine Art der Energieausbreitung, eine zeitlich und örtlich periodische Veränderung einer physikalischen Größe g(t, x). Wenn benachbarte Raumpunkte dieselbe Fähigkeit besitzen und eine Kopplung zwischen den beiden Punkten besteht, dann kann die Energie von einem zum nächsten Raumpunkt abwandern. Dieses Ausbreitungsphänomen nennt man Welle.
Seit jeher üben das Meer und die auf die Küsten schlagenden Wellen eine tiefe Faszination auf die Menschen aus. Oft hört man sie sagen „Ich brauche das Meer in meiner Nähe“. Weshalb können sie oft nicht sagen, es ist ein starkes, inneres Gefühl. Genau dieses Glücksgefühl muss es sein, das uns antreibt, wenn wir uns ins voll bepackte Auto setzen und trotz horrender Spritpreise zu den Küsten Hollands oder Dänemarks aufbrechen oder mit dem Flugzeug Richtung Kanaren, Marokko oder Südafrika Landflucht begehen. Es gibt viele von uns, Wellensuchende, Glücksuchende, Waverider. Wir treffen uns ohne Verabredung an den Stränden dieser Welt. Die Wetterkarten bestimmen den Zeitplan und manchmal das halbe Leben.
Die tobende See, für die Fischer Goldgrube und Grab, für Badegäste und Touristen unnahbares Naturschauspiel, ist für uns Surfer ein riesiger Abenteuerspielplatz. Direkt nach der ersten Wende vor einem großen Set liefert die Natur selbst die Antwort, weshalb Waveriding immer die Königsdisziplin im Windsurfen bleiben wird. Es ist das dritte Element! Nicht nur Wind und Wasser, sondern auch noch pure Wellenenergie. Deine Welle baut sich auf und donnert dumpf, die Konzentration ist am Anschlag, jeder Muskel ist angespannt. Jetzt bloß gut positionieren, keinen dummen Fehler machen. Die Welle lesen und im Kopf eine Linie zur Lippe vorausberechnen. Und dann schiebt dich eine Riesenhand mit ungebändigter Energie ins Wellental. Du fliegst down-the-line! Der Fahrtwind rauscht in den Ohren, das Rail greift, die Gischt fliegt, dein Instinkt meldet dir nun, wo die Lippe ist. Du triffst sie voll und sie katapultiert dich in die Luft, durch die Luft. Das Timing passt, du landest vor dem Weißwasser, die Haare fliegen, das Segel reißt kurz und wird dann wieder freigegeben. Was für ein Wahnsinn! Adrenalinschock. Du hast diese Wasserwand gesurft, besser: Du bist mit ihr gesurft! Das ist der entscheidende Punkt.
{GALERIE} line_2.jpg Waveriding ist nicht nur den Surfprofis vorenthalten! Jeder Surfer jeglichen Niveaus kann sich Schritt für Schritt an die Wellen heranwagen, solange er versucht, mit den Wellen zu surfen und nicht gegen sie!
Die goldenste aller Wellenregel ist wohl: Auf die „Ampel“ achten! Wellen reisen meist in Sets. Nach drei bis fünf großen Wellen folgt oft eine ruhige Phase. Der Trick ist, eben nicht in See zu stechen, wenn die Bahn augenscheinlich frei ist, um dann direkt der ersten Welle des nächsten Sets in die Arme zu surfen. Stattdessen musst du am Ende des Sets losfahren, wenn es für den Wellenneuling am schlimmsten aussieht, um in der Ruhephase bereits in der Brandungszone zu sein. Wenn du startest, tue es entschlossen und schnell. Nichts ist schlimmer als ein zögerlicher Start im Shorebreak. Entweder ist die Bahn frei und es geht los oder du wartest in sicherem Abstand am Ufer. Die Wellen entscheiden, wann gesurft wird, nicht die Surfer. Manchmal musst du eben drei Minuten am Strand warten, bis die Ampel wieder grün wird. Und manchmal musst du auch umdrehen und klein beigeben, wenn die Ampel unterwegs unerwartet von Grün auf Rot umschaltet! Auch die anderen Surfer sind hierbei ein guter Anhaltspunkt. Wenn die ganze Mannschaft auf dem Weg durch die Brandungszone eine Chickenjibe hinlegt und umdreht, ist da meist was dran und es macht wenig Sinn, alleine weiter ins Verderben zu dümpeln.
{GALERIE} line_4.jpg Surfe mit den Wellen, niemals gegen sie! Suche dir für deinen Wellenritt nicht unbedingt die erste Welle des Sets aus. Wenn dann etwas schief läuft, hast du die restlichen drei, vier Wellen noch vor dir und wirst gründlich durchgemangelt. Auch nach einem gelungenen Wellenritt gilt es, wachsam zu sein. Versuche einen Blick hinter deine Welle zu werfen, bevor du heraushalst. So ersparst du dir unerwünschte Begegnungen mit Wellen, die dir direkt nach der Halse den Weg versperren. Surfen in der Welle ist nicht gefährlich, erfordert aber den nötigen Respekt beim Spiel mit dem dritten Element. Daher ist Rücksicht aufeinander noch wichtiger als sonst. Der Surfer, der die Wellen beim Rausfahren queren muss, hat immer Vorfahrt, auch wenn der eigene Wellenritt womöglich schwerst darunter leidet. Auf der Welle gilt: Wer zuerst auf der Welle war, entscheidet, ob er sie teilen möchte oder nicht. Wer bei definiert brechenden Wellen näher an der Lippe surft, kann die Welle für sich beanspruchen. Generell sollte man sein Wellenrecht aber nie erzwingen. Es gibt genug Stress im Leben, da sollte man sich auf dem Wasser lieber entspannen!
Also warten und hoffen auf das nächste Mal. Weissenhaus? Klitmöller? Wijk? Vargas? Wir werden wieder alle zwei Tage vorher wissen, wenn es soweit ist und uns ohne Verabredung an den Stränden treffen. Mit dieser Vorfreude im Bauch, mit diesem Leuchten in den Augen! Vollgas down-the-line! Bis nichts mehr geht. Bis der liebe Gott am Abend das Licht ausmacht.

Ab in die TonneNicht so gutGeht noch besserGanz gutEcht gut!Hammer!!!! (bisher keine Bewertungen)

Clever & Smart - Interview mit Peter Garzke

{GALERIE} garzke_4.jpgPeter Garzke wurde 1968 in Kleve geboren. Mit neun Jahren hat er mit Windsurfen angefangen, erst an der holländischen Küste, dann in Spanien und später auf Hawaii. Was er anfangs noch mit Nachtschichten in der Fabrik finanzieren musste, wurde später durch namhafte Sponsoren unterstützt, um die Teilnahme an DWC und Worldcups zu sichern.

FM: Wie oft hörst du das Statement: „Du surfst ja nur und machst dir ansonsten einen lauen Lenz“?
PG: OFT! Aber im Prinzip ist das ein Job wie jeder andere auch. Gerade zu Hause sehen die Leute, „Aha, der Garzke geht mal wieder erst um elf Uhr aus dem Haus. Da haben die anderen schon um acht vor dem Computer gesessen“. Dass ich teilweise bis Mitternacht arbeite, sehen die natürlich nicht. Dann fährt der Garzke mal wieder nach Südafrika und nach Hawaii – das ist für den normal sterblichen Deutschen natürlich schwer nachzuvollziehen, was man da eigentlich macht. Ich hab da schon die lustigsten Kommentare gehört. Aber das kann man irgendwann wegblenden und wenn man zusätzlich die multimediale Präsenz hat, dann sehen die Leute auch, dass man was macht. Schade nur, dass es daran gebunden ist.
FM: Nichtsdestotrotz sieht man dich in den Magazinen dann auf einem Windsurfboard und das sieht dann natürlich nach Spaß aus …
PG: Ja klar, das stimmt. Dass man da über Stunden um einen Fotografen rumkurvt, ist ein anderes Thema. Es dauert richtig lange, bis man ein gutes Foto hat. Es muss ja auch alles stimmen – Wasserfarbe, Welle, Wind, Sonne … Teilweise ist das echt mühsam. Manchmal ist man für drei Fotos eine Woche lang unterwegs.
{GALERIE} garzke_1.jpg FM: Windsurfst du nur oder gehst du auch wellenreiten?
PG: Ich habe jetzt grade vor kurzem auf Ohau wieder auf einem Wellenreiter gestanden, da hatten wir längere Zeit Flaute. Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Ich geh dann meistens longboarden, weil ich keinen Bock habe, mich auf den Shortboards so abzurackern und dann keine Wellen zu kriegen. Das mit dem Longboarden ist bei mir auch viel besser geworden, seitdem ich snowboarde. Meine Freundin kommt aus dem österreichischen Raum. Eigentlich war ich immer ein Anti-Schneemensch. Aber durch sie hab ich dann doch den Dreh bekommen. Die ersten zwei Saisons waren zwar ein bisschen schwer, weil ich doch sehr erfolgsverwöhnt war und dachte, dass mir das Snowboarden zufliegen würde. Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass irgendwo runterfahren ohne ein Segel doch tierisch Bock macht. Danach bin ich auf einen Wellenreiter gestiegen und hab mich wohl gefühlt.
FM: Wie ist es mit dem Kiten?
PG: Kiten habe ich zwei Jahre gemacht. War eine spannende Erfahrung, weil der Zug und die Kräfte ganz anders sind als beim Windsurfen. Es ist sehr leicht zu lernen, weil das alles sehr eindimensional ist. Windsurfen ist für mich motorisch viel anspruchsvoller als Kitesurfen. Das siehst du ja auch, dass die Leute, die beim Windsurfen nie so richtig den Griff bekommen haben, auf einmal anfangen zu kiten und da schon die Kanonen sind! Ich find den Sport schön, solange man sich auf dem Wasser respektiert. Kitesurfen ist meiner Meinung nach gefährlicher als Windsurfen. Wenn du dich beim Windsurfen hinpackst, dann fällt das Segel ins Wasser und der Druck ist raus. Wenn du beim Kiten abschmierst, geht das Gerät erst richtig los. Deswegen ist es einfach wichtig, dass man vorher einen Kurs gemacht hat und die Safetys verinnerlicht, sodass sie automatisch ablaufen.
{GALERIE} garzke_2.jpg Viel wichtiger ist jedoch der Respekt unter den Wassersportlern – dass ein Kiter nicht mitten durch die Windsurfer durchzieht, sondern sich 100 Meter in Lee aufhält. Ich finde es einfach schade, dass das nicht überall klappt. Als Windsurfer guck ich auf dem Wasser nach anderen Windsurfern. Wenn da ein Kiter in der Mitte ist, kann man diesen nicht richtig einschätzen. Deswegen wäre es mir wichtig, dass man Windsurfer und Kiter auf dem Wasser strikter trennt. Es ist ja genug Platz da.
FM: Wie finanzierst du dich?
PG: Über Sponsoren, die Budgets geben. Teilweise habe ich natürlich die ganz normalen Sponsoren aus der Windsurfbranche, aber ich bin immer auf der Suche nach Sponsoren, die aus der externen Branche kommen.
FM: Man munkelt, dass es der Windsurfbranche gar nicht mehr so gut geht. Trotzdem ist Sponsoring dort noch möglich?
PG: Es ist schon noch möglich, doch es ist ein ganz kleiner Kuchen. Da muss man halt sehen, dass man sein Stückchen abbekommt und einfach vernünftige Arbeit abliefert – sprich im Video- und Magazinbereich. Wichtig ist sicherlich auch Loyalität. Ständiges Hin und Her zwischen den Firmen wirkt sich nicht positiv aus. Es ist in meinen Augen wichtig, sich bei den Partnern ein gewisses Standing zu erarbeiten. So war das bei mir zum Beispiel mit Lorch.
{GALERIE} garzke_3.jpg FM: Was hast du studiert?
PG: Diplomsport.
FM: Auch abgeschlossen?
PG: Ja, auch abgeschlossen. Von daher fühlt man sich schon ein bisschen besser als die Leute, die ihr Leben lang nur Windsurfen waren. Das ist schon risikoreich.
FM: Die goldenen Jahre der Windsurfindustrie müsstest du doch auch noch mitgemacht haben, oder?
PG: Nein. Als ich angefangen habe, da war das Ganze schon vorbei. Viele Windsurfer hatten da bei den Firmen verbrannte Erde hinterlassen. Die Firmen wurden vorsichtiger und man musste sich wieder ganz vorsichtig rantasten und lange warten. Ich glaube, ich bin erst mit 26 Jahren mit Fanatic so richtig da reingerutscht. Ab dem Zeitpunkt ging es stramm bergauf, denn wenn so eine große Firma hinter dir steht und deinen Namen entsprechend fördert, merkst du halt auch, dass das um einiges besser und vor allem einfacher läuft. Aber da waren die fetten Jahre schon vorbei. Ich kann auch absolut nicht handeln. Klar versucht man irgendwann mal was rauszukitzeln, aber ich dachte mir auch: „Du bist auf Hawaii und in Südafrika – Hauptsache, du kommst über die Runden und kannst dir neue Kameras kaufen, damit du anständig arbeiten kannst.“
FM: Was machst du, um auf deinen lang Trips nicht zu verblöden?
PG: Naja, ich hab ja studiert und von daher einen anderen Einblick bekommen. Ich glaube, es liegt schon daran, mit welchen Leuten du rumhängst. Man kann sich auch seinen Kreis suchen. Ich bin nie ein Partyanimal gewesen. Das war gerade zu DWC-Zeiten ein Problem, in denen alles auf Party ausgelegt war. Wenn du dich da zurückziehst und keine Lust hast, wird man erstmal zur Seite geschoben. Ich war nie jemand, der gerne zwei Mal die Woche über die Strenge schlägt. Ich bin mehr so ein Naturmensch.
Aber nicht zu verblöden, ist hier schwer. Man ist schon ziemlich isoliert. Man liest halt ein bisschen und versucht am Ball zu bleiben, indem man alles verfolgt, was politisch so abgeht.
FM: Hattest du denn das Gefühl, während deiner Zeit beim DWC ausgegrenzt zu sein?
PG: Naja, ausgegrenzt würde ich direkt nicht sagen. Ich habe mich selbst abgegrenzt. Das Partygehabe war halt nicht so meins. Für mich war der Sport wichtig und alles andere kam danach. Ich habe jede Menge nette Leute kennen gelernt, aber es war oft so, dass man da hochgefahren ist und dann war kein Wind und du hast das ganze Wochenende am Strand gesessen und bist nicht gefahren. Wenn Wind war, war es schön und du hast dich nach dem Wochenende gut gefühlt. Aber oft war eben nur Party. Und das war schon schweineteuer. Wer kann sich das leisten, eine Woche auf Sylt einfach so abzuhängen, wenn nicht Daddy als Sponsor hat? Man musste auch viel Geld ins Material stecken. Und da fragst du dich, ob sich das überhaupt lohnt oder ob man das Geld nicht lieber in einen schönen Trip nach Hawaii stecken sollte, um an seinem Level zu arbeiten. Das habe ich auch gemacht. DWC war für mich eher nervig, weil ich nicht aus dem Norden komme. Dann musstest du vier Wochen hintereinander von Insel zu Insel hüpfen und zwischendurch wieder nach Hause zum Studieren. Außerdem bin ich viel lieber an einem Ort und konzentriere mich auf das, was ich tue, als wenn ich jede Woche woanders bin. Das ist mir zu hektisch und macht mich irgendwie nervös.
FM: War denn das Konkurrenzverhalten damals im DWC größer als heute?
PG: Das kann ich nicht abschätzen. Aber ich glaube nicht, dass sich die Menschen großartig verändern. Mich persönlich hat diese Hinterfotzigkeit unter den Fahrern genervt. Allerdings bin ich nie richtig drauf eingestiegen. Irgendwann hat einer der Wettkampfteilnehmer in einem Magazin die Top Ten der deutschen Waveszene charakterisiert und das fand ich scheiße. Da stand so etwas wie „Ja, der Garzke wird nie auf dem ersten Platz landen, weil er kein Wettkampftyp ist“. Zum Glück hab ich denjenigen im kommenden Event geschlagen und landete auf Platz eins. Ich denke, so was wird heute nicht anders sein. Ich vermiss diese Wettkampfgeschichten und -typen jedenfalls nicht.
FM: Ich habe das Gefühl, dass du international sehr in den Fachmedien präsent bist. Aber das fällt mir bestimmt besonders auf, weil ich die Magazine lese.
PG: Ja, genau. Die Leute in Deutschland sagen mir, ich sei gar nicht mehr präsent. Ich hab in Deutschland nicht mehr so viel Coverage, aber international ist das viel mehr wert als nur in Deutschland.
FM: Ist dir internationale Presse denn wichtiger als die deutsche?
PG: Auf jeden Fall. Wir versuchen zum Beispiel die Marke Lorch zu internationalisieren und wenn du Importeure suchst, die sehen, dass die Marke auch bei denen schon bekannt ist, ist das für uns wichtiger.
FM: Was ist international dein Lieblingsmagazin?
PG: Das ist schwierig.
FM: Was macht denn ein gutes Surfmagazin für dich aus?
PG: Ich weiß, dass ein Surfmagazin auch den „Normalo-Surfer“ bedienen muss, der am Wochenende mit seinem Wohnmobil ans Flachwasser fährt. Der muss sich natürlich auch mit dem Magazin identifizieren können. Davon leben die Magazine. Aber es ist auch wichtig, dass über die Bildsprache die Leute zum Träumen animiert werden. Das bricht immer häufiger weg. Und bei den Bildern sind die Qualität und die Auswahl entscheidend.
FM: Was sind deine Pläne für die nächsten Jahre?
PG: Ich würde gerne mein Leben so weiterleben. Ich versuche immer neue Felder aufzutun, wie zum Beispiel beim Kinofilm „Movienight of Extremsports“. So etwas würde ich gerne intensiver machen. Dann werde ich mich natürlich auf meinen Boardsponsor konzentrieren, um die Palette zu verbessern. Wir sind mit 80 Prozent der Boards schon sehr zufrieden, aber bei ein paar Boards muss die Entwicklung noch weiter vorangetrieben werden. Dafür muss ich viel auf dem Wasser sein. Man kann viel entwickeln, aber man darf den Kontakt zum Wasser und das Boardgefühl nicht verlieren, um zu wissen, was funktioniert und was nicht. Heutzutage kann ich auf ein Board springen, fahre 200 Meter oder ein, zwei Wellen und weiß, was da los ist. Alles andere wird sich in der Zukunft irgendwie zeigen.
FM: Wenn man in deiner Nähe surft, hört man dich auch mal ganz gerne etwas schreien …
PG: … aber nur ab und zu. Windsurfen ist oft ein Kampf mit mir selbst. Ich habe gewisse Erwartungen an mich und wenn ich diese nicht erfülle, werde ich stinksauer und muss mich anpeppen. Ich schreie nie mit anderen Leuten rum, was manche missverstehen und am Strand erklärt werden muss. Das ist mein eigener Kampf mit der Welle und dem Material.
FM: Das passt gar nicht zu dir. Du wirkst so ausgeglichen.
PG: Ich bin auch eher ein ausgeglichener Typ. Aber es frustriert mich vollkommen, wenn es nicht läuft. Ich weiß, dass es häufig daran liegt, dass die Bedingungen nicht stimmen. Es nervt mich, wenn ich stundenlang gegen die Bedingungen ankämpfe und nicht das raushole, was ich mir wünsche. Das kriegst du auch nicht in den Griff. Und dann schreie ich halt rum. Aber das macht Boris Becker auch!

Ab in die TonneNicht so gutGeht noch besserGanz gutEcht gut!Hammer!!!! (bisher keine Bewertungen)