Archiv für September 2005

Andy Wolff

{GALERIE} wolf_1.jpgLange Zeit war es sehr ruhig um den deutschen Ausnahmewindsurfer. Seit Ende des letzten Jahres greift er jedoch wieder an und nimmt an diversen Wettkämpfen teil. Seinen ersten nach langer Zeit, den Soulwave im vergangenen Jahr in Dänemark, gewann er gleich (in der Kategorie Windsurfen). Wir sprachen mit ihm über seine Auszeit und seine Pläne für die Zukunft.

Interview Andy Wolff

FM: Ich dachte schon, du hättest keine Lust, mit dem Free-Magazin zusammenzuarbeiten!

AW: Wie kommst du denn darauf? FM: Na, weil du dich nicht gemeldet hast!

AW: Ich hatte einfach viel um die Ohren, weil ich zum Studieren in die USA gehe.

FM: In der letzten Zeit ist es ja ziemlich ruhig um dich geworden. Das letzte Mal habe ich dich beim Soulwave in Klitmöller gesehen.

AW: Nach sechs Jahren Nonstop-Windsurfen auf einsamen Inseln hatte ich das Bedürfnis, mich in die Zivilisation zurückzuziehen.

FM: Das hört man von den Windsurfern und Surfern sonst eher umgekehrt! Denen reichen doch in der Regel Wind und Wellen an einsamen Stränden zum Glücklichsein.

{GALERIE} wolf_2.jpgAW: Mir fehlte das kulturelle Leben. Nur Windsurfen zu gehen, kann dich voll und ganz erfüllen. Aber in meinem Inneren schrie auf einmal jemand nach Stadtleben. Ich wollte Filme sehen, Musik hören, mich in Menschenmassen drängeln. Lärm, Armut, Reichtum, Autos, Stress, Gangster und Zuhälter im Rotlichtviertel, kurdische Flüchtlinge, die auf einer Couch bei uns im Hof in Paris schlafen und brave Studenten, die sich an der Sorbonne rumtreiben und schlaue Dinge erzählen – all das wollte ich intensiv erleben, will es immer noch und kann gar nicht genug davon kriegen.

FM: Heißt das, man verblödet, wenn man zu lange unterwegs ist?

AW: Nein, überhaupt nicht, weil es auch von einem selbst abhängt. Wenn man neugierig ist, verblödet man nicht. Ich hab irgendwann gemerkt, dass meine Neugierde auf Strände und Wellen ein wenig abnahm. Auf Dauer brauche ich die Stadt, um glücklich zu sein, weil ich in ihr aufgewachsen bin. Ich kann mir sehr gut vorstellen, Wochen in einer Wüste zu verbringen und täglich immer wieder neue, unglaubliche Dinge zu sehen. Momentan habe ich allerdings eine Art Wissensdurst, den nur die Stadt stillen kann.

FM: Wie lange warst du auf Tour?

AW: Ich bin mit 17 nach Hawaii gegangen, war dort für vier Monate auf einer Highschool und habe jede freie Minute in Hookipa verbracht. Dann bin ich zurückgekommen, habe mein Abi gemacht und war sechs Jahre nur windsurfen – Worldcups, trainieren, Fotoshoots, Reisegeschichten für die Magazine. Ich war eigentlich nonstop unterwegs. Plötzlich hatte ich genug davon. Seit knapp fünf Jahre interessiere ich mich für den Film und mache ständig Praktika und Assistentenjobs in der Filmbranche. Ich versuche auch vermehrt, eigene kleine Projekte auf die Beine zu stellen. Ich war in Paris auf einer Schauspielschule und habe in München, Leipzig und Berlin als Regieassistent gearbeitet.

{GALERIE} wolf_3.jpgFM: Warst du in dieser Zeit gar nicht surfen? AW: Ich war mehrmals monatelang nicht auf dem Wasser.

FM: Hast du das nicht vermisst?

AW: Doch, aber meine Neugierde auf den Film war ein wenig größer als das Heimweh nach Wind und Wellen.

FM: Seit wann gehst du wieder richtig surfen? Ich war von deinem Können in Dänemark schon ziemlich beeindruckt.

AW: Ich war zwischendurch immer mal wieder auf dem Brett. Diesen Winter war ich einen Monat in Südafrika und im Frühjahr auf Hawaii, anschließend beim Worldcup auf Gran Canaria. Ich habe gemerkt, dass ich relativ schnell immer wieder reingekommen bin und bei den Contests auch ganz gut mithalten konnte. Motivation ist der Schlüssel zum Erfolg. Vielleicht ist Motivation auch ein schlechtes Wort. Wenn man monatelang nicht auf dem Wasser war, hat man ein großes Verlangen, die neuen Moves zu lernen und das scheint nach einer Pause schneller zu gehen, als wenn man regelmäßig surfen war.

FM: Findest du, die Events haben sich seit deinem Ausscheiden verändert?

AW: Auf jeden Fall hat sich die Tour vom Fahrerischen enorm gesteigert. Das liegt sicherlich auch an der Freestyle-Disziplin. Man merkt einfach, dass viele 15-Jährige auf der Tour sind, dadurch kommen viel mehr Kreativität und Style bei den Moves rein. Das Niveau ist momentan enorm hoch.

FM: Scheiße, bin ich alt … Wenn du jetzt in die Staaten zum Studieren gehst, ist das mit dem Windsurfen erst einmal wieder vorbei, oder?

AW: Nein, nicht unbedingt. Der Sport bleibt Bestandteil meines Lebens. Ich werde schauen, dass ich ab und zu von LA die Küste hoch, Richtung Santa Cruz, fahre. Vielleicht komme ich auch öfter nach Hawaii – der Flug von LA ist vergleichbar mit einem Flug auf die Kanaren von uns aus.

FM: Was hast du mit deinem Studium später vor?

AW: Das wird sich während des Studiums zeigen. Ich habe schon viel ausprobiert und bin vom Schreiben genauso begeistert wie von der Kameraarbeit. Mal schauen, wenn ich genug Talent zeige, wäre Regie schon etwas, was mich am meisten interessierte. Die Arbeit am Drehbuch, das Inszenieren mit den Schauspielern und der Schnitt machen die Arbeit sehr vielseitig.

{GALERIE} wolf_4.jpgFM: Ich befürchte, dass es schwierig werden könnte, in der Film-Maschinerie später Fuß zu fassen. Gibt es nicht tierisch viele Leute, die darauf Bock haben?

AW: Ich habe schon gemerkt, dass viele in der Filmbranche arbeiten wollen. Das hohe Interesse daran ist im Prinzip vergleichbar mit dem Windsurfen. Darauf haben auch viele Bock, aber wenn man beobachtet, wie viele wirklich am Strand von Hookipa auftauchen und über Jahre hinweg jeden Tag draußen sind, stellt man fest, dass die wenigsten hartnäckig bleiben. Ihnen fehlt die Leidenschaft – zunächst im Sport, aber wahrscheinlich auch in vielen anderen Dingen ihres Lebens.

FM: Gibt es etwas, das du im Ausland auf deinen Reisen vermisst? Was ist typisch an Deutschland?

AW: Vielleicht die Zielstrebigkeit und Zuverlässigkeit verbunden mit Menschlichkeit. Martin Walser hat mal in einem Interview beschrieben, wie ihm ein junger Mann in einer deutschen Stadt, in der er zu Besuch war, den Weg beschrieben hat. Mit Präzision wurde ihm das endlose Wirrwarr verständlich gemacht. Die Augen des Mannes leuchteten dabei – er ging geradezu darin auf, dem Fremden mit Genauigkeit zu imponieren. Ehrgeiz und Präzision sind typisch deutsche Eigenarten, die man im Ausland manchmal vermisst. Weiterhin trifft man in Deutschland auf extreme Neugierde gegenüber Fremden – zumindest in Regionen, in denen es den Menschen gut geht. Im Vergleich zu Frankreich könnte man sich manchmal ein wenig mehr Kulturstolz wünschen. Die Angst davor, zu sehr deutsch sein, hat sicherlich mit der Vergangenheit zu tun.

FM: Wie meinst du das?

AW: Die Deutschen haben eine krasse Vergangenheit. Sie haben Scheiße gebaut und dafür ordentlich eins auf den Deckel bekommen. Deswegen sind sie losgelöst von ihrer eigenen Kultur und eher an fremden Kulturen interessiert. In keinem Land gibt es eine so hohe Bereitschaft, Englisch zu sprechen. Weiterhin gehen auch viele Studenten und Schüler im Rahmen ihrer Ausbildung ins Ausland.

FM: Wenn man dich so in Dänemark gesehen hat, könnte man meinen, dass du eher introvertiert bist.

AW (lacht): Keine Ahnung. Das ist eine Frage, die du besser meinen Freunden stellst.

FM: Nee, deine Freunde kennen dich ja und würden dich als nicht introvertiert betiteln. Das ist ja auch nichts Negatives, aber oft empfinden Leute Introvertiertheit als Arroganz. Hast du damit schon mal Probleme gehabt?

AW: Nein, eigentlich nicht. Aber manchmal ist es komisch, plötzlich in so einem Rummel zu sein. Die ganze Zeit lebst du vor dich hin und keiner schert sich um dich. Dann kommt irgendein Event, auf dem sich auf einmal alle um dich scharren und du weißt eigentlich gar nicht, was sie von dir wollen. Das fühlt sich manchmal merkwürdig an. Manche schützen sich in solchen Situationen, indem sie sich im Kreise von Freunden und Bekannten aufhalten, was, wie ich finde, eine normale Reaktion ist.

FM: Okay, manche gehen damit anders um.

AW: Das ist aber keine Reaktion, über die ich groß nachdenke oder die ich kontrollieren könnte. Sie kommt einfach so. Ich habe einfach mehr Lust, mich mit einigen wenigen Menschen wirklich intensiv zu beschäftigen als mit ganz vielen ein bisschen. Ich verbringe gern Zeit mit den Menschen, die mir was bedeuten.

FM: Die Popularität des Windsurfens hat in den letzten Jahren leider etwas gelitten. Was könnte deiner Meinung nach den Trend umkehren?

AW: Ich denke, Windsurfen kann sehr gut mit den Sportarten konkurrieren, die ein jüngeres Publikum ansprechen so wie Skateboarden oder Snowboarden. Vielleicht bringt es etwas, sich an diesen Sportarten zu orientieren. Die jungen Leute sind im Bereich Sport die größten Konsumenten. Man muss die Jüngeren verstehen, gucken, was sie für Helden haben, wie sie diese Helden konsumieren, wie die Geschichten dargestellt werden, die die jungen Leute interessieren und was mit den angesagten Sportarten in Verbindung gebracht wird.

FM: Aber dann ist deiner Meinung nach Freestyle schon der Schritt in die richtige Richtung?

AW: Auf jeden Fall, nur muss das auch transportiert werden. Aus den Magazinen erfahre ich darüber kaum etwas. Was ist Freestyle überhaupt? Wie ist das entstanden und was ist daraus geworden, wie hat es das Waveriding beeinflusst …

FM: Das ist auch schwierig zu verfolgen. Mittlerweile gibt es so viele Moves und Tricks, da verstehe ich auch nur noch Bahnhof.

AW: Das muss man ja nicht verstehen! Man soll sich das angucken und sich freuen. Mir ist das beim Skateboarden doch auch egal, ob das ein 360flip frontside oder backside war – Hauptsache, es sieht geil aus.

FM: In meinen Augen hinken diese ewigen Vergleiche Windsurfen – Skaten – Snowboarden. Nicht nur finanziell besteht zwischen diesen Sportarten ein großer Unterschied, sondern auch von der reinen Möglichkeit her, sie täglich auszuüben.

AW: Das fängt aber schon damit an, wie man ein Image aufbaut. Wenn vor mir ein Windsurf-, ein Snowboard-, und ein Skateboardmagazin liegen würden, würde ich nie auf die Idee kommen, das Windsurfmagazin in die Hand zu nehmen, weil mich das Cover nicht anspricht. Man kann eine gewisse Vermarktung, wie ich sie mir vorstellen würde, nicht ausschließen, wenn man sie nicht wirklich ausprobiert hat. Es wird nichts ausprobiert und das ist das grundsätzliche Problem unseres Sports. Die Industrie ist schlichtweg unkreativ.

FM: Bist du politisch? AW: Ich interessiere mich wenig für kurzlebige Sachen. In der Politik wird wenig darüber nachgedacht, was langfristig etwas bringt. Das kann man den Politikern natürlich nicht vorwerfen – so ist das System gemacht. Die Politiker selbst müssen sich verkaufen und dazu haben sie nicht viel Zeit. FM: Das ist jetzt aber ein deprimierendes Interviewende …

AW: Nee, überhaupt nicht! Ich persönlich interessiere mich halt für andere Dinge. Wenn man sich intensiv mit Politik beschäftigt, ist das sicherlich faszinierend. Aber was ich davon mitbekomme, ist immer nur Gekratze an der Oberfläche. Um was es wirklich geht, verstehen doch die wenigsten. Es wird gern gemeckert an den Marionetten. Aber eins sieht man in der Politik schön: Die Leute, die langfristig etwas verändern, stehen selten im Rampenlicht. Das ist doch ein schöner Schlusssatz.

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Deutsche Meisterschaften im Windsurfen – ein Erlebnisbericht

{GALERIE} dwc_1.jpgHast du schon einmal an einem DWC oder einer Deutschen Meisterschaft teilgenommen? Nein? Ich auch nicht und genau das galt es Ende August auf Sylt zu ändern. Ich war schon immer der Meinung, dass die eigene Teilnahme Voraussetzung dafür sein muss, um halbwegs qualifiziert über ein Event berichten zu können und besonders beim Thema DWC und Regatten im Allgemeinen scheiden sich bekanntermaßen die Geister.

Am 27. Juni ging genau so los, wie ich es befürchtet hatte: kein Wind, kleine Wellen, durchwachsendes Wetter. Bei der Einschreibung und beim ersten Skippermeeting lernte ich immerhin schon einmal die Richtlinien und Abläufe näher kennen. Das supernette Team um Headjudge Holger, Sunny, Zinne und Co. stand auch dem größten Trottel – in diesem Falle mir – Rede und Antwort. So fragte ich mich durch den Reglementdschungel, der, typisch deutsch, eher eine Regel mehr als weniger vorzuweisen hatte. Schon nach kurzer Zeit waren die Vorgaben selbstverständlich und die anfängliche Verwirrtheit wich nach und nach. Viele Fahrer beschäftigten sich anschließend damit, ihr komplettes Material aufzuriggen und an den Strand zu legen. Dies erschien mir ehrlich gesagt etwas merkwürdig, denn es war kein Wind in Sicht. Später sollte ich lernen, dass es nicht verkehrt ist, das ein oder andere Rigg komplett aufgebaut, vor allem mit den Sponsorenstickern versehen und fertig auf dem Strand liegen zu haben …

Auch Donnerstag und Freitag waren entspannte Tage ohne Wind, die man dank der Sonne am Strand genießen konnte. Auf dem Wasser gab es mit dem Longboard entspannte Sunsetsessions.

{GALERIE} dwc_2.jpgBeim morgendlichen Skippermeeting am Samstag veranlassten Holger 12 Knoten aus West-Süd-West dazu, die Disziplin Racing anzusetzen. Dabei musste von den Fahrern ein Viereck-Kurs umrundet werden, was sich auf der rauen Nordsee mit 12,5-Quadratmeter-Segeln und merkwürdig aussehenden Boards als harte Arbeit entpuppte. Mich schreckte der hohe Materialaufwand beim Racing von einer Teilnahme ab.

Angesichts des Kurses wurde schnell klar, dass die Taktik bei dieser spannenden Disziplin von großer Bedeutung ist. Letztendlich hatte Bernd Flessner in allen drei Durchläufen die Nase vorn. Irgendetwas musste er anders gemacht haben im Vergleich mit den anderen Fahrern, die so aussahen, als ob sie Treibanker hinter sich herziehen würden. Einigermaßen mithalten konnten bei Flessners hohem Tempo Toni Wilhelm und Helge Wilkens, die in der Gesamtwertung der drei Rennen auf Platz zwei und drei landeten.

Mittags frischte der Wind auf 15 Knoten auf und die Disziplin Slalom wurde angesetzt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich begriffen, wie geschickt es von den anderen Fahrern gewesen war, die Segel am Anfang des Events aufzuriggen. Mir blieben fürs Aufriggen lediglich 25 Minuten, denn ich war im zweiten Heat. Beim Slalom fahren je nach Anzahl der Teilnehmer sechs bis zehn Aktive in einem Heat einen Downwind-Kurs um diverse, in diesem Fall fünf, Bojen. Und um es vorwegzunehmen: Slalom rockt richtig! Ich stand das letzte Mal vor zehn Jahren auf einem Slalomboard (F2 Sputnik 280) und hatte glücklicherweise noch fünf Minuten vor meinem Heat Zeit, mich auf dem eigens für diese Veranstaltung besorgten Fanatic Falcon 120 und einem North Sails Daytona 9.0 qm einzufahren. Wenn man sonst 6.4 qm als größtes Segel fährt, ist das schon eine kleine Umstellung … Nichtsdestotrotz ist es ein cooles Gefühl, bei Windstärken zu gleiten, bei denen man sonst nur Nase bohrend am Strand liegen würde.

{GALERIE} dwc_3.jpgAber zurück zum Rennen. Ich lernte schnell, dass das A und O des Slaloms der Start ist. Nach dem ersten Schuss des Begleitbootes verbleiben vier Minuten, bis es im fliegenden Start über die durch das Boot und eine Boje gedachte Linie geht. Wenn man so einem Start noch nie beigewohnt hat, ist es schon interessant, wie zehn Fahrer auf einmal auf die Startlinie zufahren, nachdem sie sich vorher in die vermeidlich beste Position gebracht haben, um dann genau bei Sekunde Null über die Linie brettern. Um dieses Timing richtig hinzubekommen, ist eine Uhr mit Countdownfunktion von großem Vorteil …

Ich hielt mich zum Zeitpunkt des Starts noch vornehm zurück, um nicht zu sagen: Ich hatte den ersten Start meines Lebens voll verpennt! Das machte aber zum Glück nichts, denn es waren noch vier Halsen in der aufgewühlten Nordsee zu fahren. So kam es, weil sich die Jungs vor mir reihenweise abpackten oder sich gegenseitig behinderten, dass ich als lachender Zweiter durchs Ziel fuhr. Das bedeutete Finale, in dem die beiden Ersten der vier Vorrundenheats gegeneinander antreten mussten.

Beim zweiten Start lief es etwas besser und ich konnte mich in der Mitte des Feldes an der ersten Boje einsortieren. Damit wäre der zweite wesentliche Punkt des Slaloms angesprochen: die Halse! Wenn man es schafft, alle vier Halsen durchzugleiten, ist man mit Sicherheit vorne dabei. „Das ist ja lächerlich!“, wirst du vielleicht denken, aber ich kann dir versichern, dass eine Halse unter Druck – mit zwei Mann vor, neben und hinter einem – nicht mehr lächerlich ist, sondern Adrenalin pur! Mein erstes Slalomfinale beendete ich als Vierter und war restlos begeistert! Bernd Flessner fuhr auch in diesem Heat allen davon. Genau an diesem Punkt des Events hätte ich besser aufgehört, aber es wurden dann, um die Wertungskriterien der Deutschen Meisterschaft zu erfüllen, noch zwei weitere Rennen gestartet. Der Wind frischte weiter auf und meine 9 Quadratmeter fuhren sich ziemlich sportlich … Wieder im Finale musste ich von relativ weit hinten mit ansehen, wie Claas Voget mit einem 6.2er und einem Supercrossboard (Fanatic Hawk) durch einen spektakulären Start, bei dem er auf den Punkt genau beim Startschuss die Startlinie überquerte, als Erster durchs Ziel fuhr. Beim dritten Rennen verließ mich die Kraft und ich schaffte es nicht mehr ins A-Finale, sondern fuhr im B-Finale als Zweiter durchs Ziel auf den zwölften Rang. Das A-Finale war superspannend. Wer sollte Deutscher Meister im Slalom werden? Claas oder Bernd? Claas fuhr wieder wie ein Gestörter auf die Startlinie zu, verschätzte sich aber, ließ sich kurz vor der Startlinie sehr stark abfallen, um nicht einen Fehlstart zu riskieren. Er verlor im Endeffekt zu viel Höhe, um mit den anderen Fahrern und ihren deutlich größeren Segeln noch mithalten zu können. Damit war der Weg für Bernd Flessner frei und er gewann neben seinem Meistertitel im Racing nun auch den im Slalom. In der Gesamtwertung dieser Disziplin verwies er Andi Laufer und Helge Wilkens auf Platz zwei und drei.

Der erste richtige Regattatag in meinem Leben ging zu Ende. An Partymachen war nicht mehr zu denken. Mein Körper war froh, sich früh am Abend in die Horizontale begeben zu können.

Auch der nächste Tag sollte ein Wettkampftag werden – bei 16 bis 20 Knoten aus Süd-Süd-West Wave-Freestyle. Leider mehr Freestyle als Wave, brachen die Wellen doch aufgrund des Hochwassers nur vorne an der Shorebreak. Das Niveau der Fahrer war wirklich beeindruckend. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Top-Fahrer anwesend, in meinem ersten Heat mit Flo Jung und Stefan Kruse gleich zwei von ihnen. Die beiden Gummikörper machten einen Trick nach dem anderen und marschierten bis ins Halbfinale relativ sorglos durch. Flo wurde am Ende Fünfter. Stefan fuhr im kleinen Finale um Platz drei gegen Jonas Schmidt und wurde Vierter. Letztendlich machten die beiden zurzeit wohl besten deutschen Freestyler Andre Paskowski und Norman Günzlein das Finale unter sich aus. Andre, der bis zu seinem Finallauf eigentlich die schwierigeren Manöver gemacht hatte, patzte bei dem ein oder anderen Move, während sich Norman keine Blöße gab. Er war der verdiente Sieger des Wave-Freestyle-Finales und holte sich den Titel des Deutschen Meisters.

Aufgrund des abflauenden Windes kam es leider zu keiner zweiten Runde in dieser Disziplin und so gingen die Deutsche Meisterschaft und damit auch mein erster DWC mit der obligatorischen Siegerehrung am Nachmittag zu Ende.

Ohne dass mir die beiden Veranstalter Matthias Regber und Nicolas Wendelken von Choppy Water Geld für mein Resümee geben würden, fällt es durch die Bank positiv aus. Nicht nur aus sportlicher Sicht war es ein wirklich gelungener Event, auch das Rahmenprogramm auf der Promenade mit großem Festzelt, Djs und Co. vermittelte Worldcup-Atmosphäre.

Ich kann jedem empfehlen, diese Geschichte einmal mitzumachen. Auch wenn viele Fahrer einen großen Materialberg mit sich rumschleppen (in erster Linie fürs Racing), hat die Erfahrung gezeigt, dass zum Beispiel beim Slalom ein Segel und ein Board vollkommen ausreichen. Dass man auch mit nicht reinrassigem Slalommaterial ganz vorne mitfahren kann, hat Claas bei diesem Event eindeutig bewiesen. Gerade Slalom macht eine Menge Spaß und ist von jedem zu meistern. Von der angeblich schlechten Stimmung unter den Fahrern habe ich ebenfalls nichts mitbekommen. Klar ist der ein oder andere etwas zurückhaltender im Umgang mit neuen Leuten, der Großteil der Fahrer war aber sofort sehr nett und hilfsbereit. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Helge für die Trimmtipps meiner Slalomrakete und an Matthias und Nicolas für die guten Taktiktipps fürs Slalomrennen! Ich für meinen Teil werde im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder die eine oder andere Regatta mitfahren und das solltest du auch machen!

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Paula Daian - Interview

{GALERIE} paula_daian_1.jpgDie auf Maui lebende Argentinierin ist nicht nur eine absolute Augenweide, sondern auch noch eine super Windsurferin, Wellenreiterin und Kiterin. Sie arbeitet als Fotomodell und hat gerade ihre erste eigene Bikini-Kollektion entworfen. Mit uns sprach die Powerfrau, die wohl wie keine Zweite das Konzept des Free-Magazins lebt, über ihr Temperament und die Probleme weiblicher Teilnehmer bei Wettkämpfen.

Interview Paula Daian

FM: Wo kommst du her und seit wann surfst du?

PD: Ich bin in Argentinien geboren und habe, seitdem ich ein kleines Mädchen war, mit meiner ganzen Familie Wassersport gemacht. Meine Verbindung zu diesem Sport kommt durch meine Familie.

FM: Du meinst, deine ganze Familie surft?

PD: Ja, genau. Mein Vater, meine Mutter, meine Schwester, meine Cousins – alle windsurfen und surfen. Alle Erinnerungen, die ich an meine Kindheit und meine Anfänge im Wassersport habe, sind eng mit meiner Familie verknüpft.

FM: Wenn du aus Argentinien kommst, hast du bestimmt eine Riesenfamilie …

PD: Absolut riesig! Wir sind sehr eng miteinander verbunden. Ich bin die Einzige aus der Familie, die Argentinien verlassen hat. Das war wirklich hart. Ich entschied mich irgendwann, dass ich mich auf diesen Lifestyle konzentrieren wollte. Ursprünglich komme ich aus der riesigen Metropole Buenos Aires, von wo aus das Meer ziemlich weit entfernt ist. Also wollte ich nahe am Ozean leben, ging 1999 nach Hawaii und wusste einfach, dass das der Ort war, an dem ich leben wollte. Ich verliebte mich sofort in die Inseln und zog mit meinem Freund dorthin. Aber meine Familie besucht mich hier sehr häufig und ich reise alle vier Monate nach Südamerika, um meine Eltern zu sehen.

{GALERIE} paula_daian_2.jpg FM: Dann bist du also eine richtig heißblütige Latina!

PD: Auf jeden Fall! Und das fehlt mir hier ein wenig. Ich meine, ich liebe die Insel wirklich über alles, die Natur ist einfach sensationell, aber meine eigene Kultur, meine Freunde und meine Familie fehlen mir trotzdem. Man merkt schon, wie sich von Land zu Land die Kulturen verändern, aber ich habe das Glück, dass ich viel reise, um immer mal wieder nach Südamerika zu kommen.

FM: Was machst du zurzeit auf Hawaii?

PD: Am Anfang war ich hauptsächlich hier, um zu windsurfen, denn als ich jünger war, bin ich in vielen Contests mitgefahren. Doch je länger ich auf Hawaii war, desto mehr spürte ich, dass die größte Herausforderung meines Lebens der Wettkampf zwischen mir und dem Meer ist. Also hörte ich auf, die ganze Welt zu bereisen, um an Wettbewerben teilzunehmen. Seitdem fahre ich täglich meinen eigenen Wettkampf und jeden Tag steht für mich eine neue Herausforderung bereit! Ich verbringe den ganzen Tag im Wasser – vom Windsurfen über Wellenreiten, Tow-in-Surfen oder Schwimmen. Außerdem arbeite ich für Naish und mache viel Promotion, denn neben den professionellen Surfern haben die auch „normale“ Menschen, die ihrer Leidenschaft folgen und das genießen, was sie tun. Man kann auch als Nicht-Profi aktiv sein. Dann habe ich parallel mein eigenes kleines Unternehmen gegründet. Ich habe meine eigene Bikinikollektion entworfen, weil ich etwas machen wollte, das den Lifestyle am Strand widerspiegelt, den ich hier lebe. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren. Ich lebe meinen Traum.

{GALERIE} paula_daian_3.jpg FM: Das ist schön, aber trotzdem muss man ja Kohle verdienen, oder nicht?!

PD: Schon, aber ich denke, dass wenn man einen Traum hat und diesem folgt, kommt das Geld automatisch zu dir. Wenn du etwas machst, wozu du keine Lust hast, wozu du gezwungen wirst und was dich unglücklich macht, wirst du Probleme bekommen. Das ist meine Philosophie. Wenn du deinem eigenen Weg folgst, werden Dinge einfacher.

FM: Hmm … vielleicht, weil man mehr Leidenschaft in das legt, was man tut?

PD: Ja, genau!

FM: Du hast gesagt, dass du aufgehört hast, bei Wettkämpfen mitzumachen. Wann war das?

PD: Ich habe damit ziemlich bald nach meiner Ankunft auf Hawaii aufgehört, vielleicht 2000 oder 2001.

FM: Welche Contests bist du mitgefahren?

PD: Ich habe zum Beispiel den Second Consecutive Title bei den South American Championship gewonnen und ich habe ziemlich erfolgreich mit den Profis trainiert. Als ich ernsthaft in den Worldcup hätte einsteigen können, entschied ich mich dagegen, weil ich merkte, dass meine sportliche Leidenschaft nichts mit Wettkampf zu tun hat. Ich wollte mich darauf konzentrieren, Spaß auf dem Wasser zu haben und nicht darauf, unbedingt den ersten Platz beim nächsten Heat zu machen. Ich habe den Fokus darauf gelegt, mein eigenes Talent zu fördern, Spaß zu haben und im Einklang mit dem Ozean zu sein – mehr nicht, alles andere war zu viel für mich.

{GALERIE} paula_daian_4.jpg FM: „Zu viel“, weil du so viel reisen musstest, um an den Wettkämpfen teilnehmen zu können?

PD: Nein, das war es nicht. Ich reise gerne und man muss die professionellen Windsurfer mit Respekt betrachten. Sicherlich führen sie ein tolles Leben, aber es ist auch ziemlich hart. Sie müssen so viel reisen und sind ständig weit entfernt von ihrem Zuhause und ihren Familien. „Zu viel“ meine ich eher, weil ich merkte, dass der Wettbewerb nicht mein Lebensziel widerspiegelte. Ich war in diesem Race-Zirkus nicht glücklich und als ich mir dessen bewusst wurde, änderte ich sofort meinen Lifestyle.

FM: Fehlt es dir nicht, dass andere dir zujubeln oder dich anfeuern, wenn du auf dem Wasser bist?

PD: Ich brauche absolut niemandem, der mir sagt, wie toll ich das gemacht habe. Ich bin mir wirklich selbst genug. Alles andere ist mir schnuppe, sobald ich auf dem Wasser bin. Ich lebe mein Ego und andere Leute sind mir in der Hinsicht wirklich egal.

FM: Das ist wohl dein starker Latina-Charakter!

PD: Mit Sicherheit ist er das!

FM: Ich denke auch mal, dass es mit euch Mädels im Windsurf-Zirkus ja nicht wirklich einfach ist.

PD: Zwischen den ganzen Machos? Bestimmt nicht! Aber ich weiß, dass Frauen in den Competitions viel härter drauf sind als die Jungs. Das ist doch in jedem Sport so. Frauen sind viel temperamentvoller als die Kerle. Aber ich kann schon verstehen, dass die Jungs so werden, wie sie sind. Wenn sie aufs Wasser gehen, müssen sie eine starke Personality mitbringen, denn die Konkurrenz ist sehr groß. Wenn so viele Machos auf einem Ozean sind, ist das für die Frauen weiterhin schwer, sich zu behaupten und für ihre Person und ihren Platz zu kämpfen.

FM: Und wenn man nur unter Frauen surft, geht der Wettkampf an Land meist gleich weiter bei so viel Stutenbissigkeit …

PD: Also ich bemühe mich, nicht so zu sein. Ich respektiere wirklich jede und versuche nicht zu bewerten, ob sie nun gut oder schlecht ist. Das Einzige, was ich einschätzen kann, ist, ob jemand mit Leidenschaft surft, Spaß hat und glücklich ist. Ich wünschte, mehr Mädels würden so sein. Gerade Frauen machen sich immer so viele Gedanken darüber, was andere sagen oder machen, aber die anderen können so viel Bullshit erzählen, wie sie wollen. Man darf sich keine Gedanken machen. Nur du allein weißt, was gut für dich ist und was nicht.

FM: Da hast du absolut Recht. Es ist nur schwer danach zu leben, denn man wird ständig verglichen.

PD: In jedem Aspekt des Lebens wird man verglichen – ziemlich nervige Angelegenheit.

FM: Denkst du, dass du relaxter bist, weil du ein entspannter Charakter bist oder weil du auf Hawaii lebst und das Leben dort sowieso lockerer ist?

PD: Ich denke schon, dass meine Gelassenheit an meiner Erziehung und meiner Personality liegt. Ich folge meinen eigenen Träumen und bin zufriedener als viele andere Menschen. Das ist für mich echt das Wichtigste im Leben.

FM: Welche Rolle spielt Sex in der Windsurf-Branche? Ich meine, auf deinen Bilder präsentierst du dich schon sexy.

PD: Ich weiß nicht. Ich sehe das überhaupt nicht aus dieser Perspektive, denn in Südamerika wächst jeder damit auf, stolz auf seinen Körper zu sein. Jeder geht an den Strand und trägt einen knappen Bikini – ganz egal, wie der eigene Körper aussieht, jede Frau darf sich bei uns in Südamerika sexy fühlen. Das ist wichtig. Ich spiele nicht mit dem Sex, sondern bin ganz natürlich, so wie ich aufgewachsen bin. Ich muss nichts verstecken und bin darauf sehr stolz. Ich bin seit jeher ein Beachgirl und bei uns wird man nicht so erzogen, dass die anderen Männer sagen „Oh guck mal, die spielt hier aber ganz schön doll mit ihren Reizen“. Ich würde sagen, zu dem argentinischen Lebensstil gehört es dazu, sexy zu sein. Darum machen wir uns auch gar keinen Kopf darum, ob ein Foto besonders aufreizend ist oder nicht. So sind wir Südamerikanerinnen nun mal!

FM: Denkst du, dass sich dieses aufreizende Äußere auch in der Windsurfbranche besser verkaufen lässt?

PD: Nein, ich denke, man sollte nicht sein sexy Äußeres, sondern das charakterstarke Innere verkaufen, auch an die Sponsoren. Vielleicht hilft ein gutes, attraktives Aussehen, an einen Sponsor zu kommen, aber darum sollte es einem Sportler nicht gehen. Der Punkt ist, dass man sich selbst gegenüber immer ehrlich sein sollte.

FM: Ich dachte nur, dass man mit dem richtigen Hintern auch eine gute Coverage in den Magazinen bekommt. Von daher spielt das Aussehen doch eine Rolle.

PD: Es ist mehr die anziehende Aura, die diesen Sport und seine Sportler umgibt. Das Leben am Strand und die Mystik, die man mit dem Wasser verbindet – das bringt die Medien – nicht nur ein Girl am Strand in einem heißen Bikini, obwohl, wenn der Bikini aus meiner Kollektion stammt, kann das natürlich sein!!!

FM: Es gibt von dir Fotos, auf denen du mit Delfinen schwimmst.

PD: Ich versuche, meine Publicity im Sport für die Natur und das Meer einzusetzen. Jeder von uns, der das Meer liebt und darin oder darauf seinen Sport macht, sollte den Respekt vor dem Meer und seinen Bewohnern mitbringen. Wenn man einmal einen Delfin getroffen hat und seine Nähe auf dem Meer gespürt hat, erlebt man einen großen Moment im Leben, den man so schnell nicht wieder vergisst. Wenn wir uns in 50 Jahren auch noch auf dem Wasser bewegen wollen, müssen wir unser Bewusstsein für den Ozean verändern und ihm den nötigen Respekt zollen, sonst ist es irgendwann vorbei damit. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen.

FM: Was machst du, um das Meer effektiv zu schützen?

PD: Ich respektiere es und versuche, alles sauber zu hinterlassen. Und wenn wir fischen gehen, nutzen wir nicht ein großes Boot mit großem Motor. Ich versuche wirklich, meinen kleinen, privaten Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. Und wenn jeder ein klein bisschen Respekt für die Natur mitbringt, können wir Großes ändern. Aloha!

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