Archiv für November 2005

ION Photo Awards

{GALERIE} ion2.jpgObwohl es bei dieser Story nicht um meine Person geht, möchte ich doch kurz mit mir anfangen. Vor Jahren war ich nicht nur Zeuge der Entstehung des „King of the Lake“, sondern in allen Ehren war dies der Anfang meiner Karriere in der Windsurfindustrie. Mein Freund Alex Humpel hat damals eine wahre Bewegung in der internationalen Windsurfszene heraufbeschwört und kreiert. Über die Jahre kristallisierte sich heraus, dass Alex ein Mann großer, zukunftsweisender Ideen ist. Mittlerweile ist es nicht nur bei den Ideen geblieben, sondern auch die Verwirklichung wurde immer professioneller und unabhängiger.
Daher war es für mich klar, meinen geschäftlichen Europatrip mit einem Besuch beim „ION Photo Award“ zu verbinden. Ich war sogar dazu eingeladen, zusammen mit Alex Humpel im Altstars-Team teilzunehmen, aber es sollte dann, wie in so vielen Fällen, anders kommen.
Zuerst einmal verpasste ich das vorausgehende Ridersmeeting und somit gleich den ersten Contesttag. Damit war ich aus dem Rennen und sah mir das ganze Spektakel als fahrender Zuschauer an.
Das Konzept des Contests ist es, ein Team von Fahrern auf eine viertägige Adventuretour rund um einen Spot zu schicken – in diesem Fall um den Gardasee. Ausgerüstet mit einer digitalen Kamera sollen die Fahrer ihre Eindrücke und Erlebnisse einfangen, um sie am finalen Tag des Events auf einer Großleinwand mit eigenem Kommentator dem Publikum und der Jury zu präsentieren. Der künstlerischen Freiheit sind keine Grenzen gesetzt und alle Rider können ihren Style, ihre Ideen und präsentatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Eigentlich der perfekte Schulhof für junge Rider, die lernen müssen, dass gut fahren nicht genug, sondern sich selbst präsentieren alles ist.
{GALERIE} ion1.jpg Elf höchst motivierte Teams hatten sich für die Premiere des Events am Gardasee eingefunden. Als besonderes Zuckerl (österreichisch für Belohnung) wurde das schon legendäre Speedy-Ausflugsboot für zwei volle Stunden während der Ora vom lokalen Shaka Shop gesponsert. Die darauf folgende Jump-Session über den „Boat Wake“ hätte bei jeder Red-Bull-Airshow mithalten können und es war ein Wunder, dass es keine Verletzten gab. Als weiteres Zuckerl (wir wissen jetzt, was das heißt) waren drei professionelle Fotografen an Bord, die die Mega-Action festhielten. Jedes Team konnte am letzten Tag Actionbilder von den Profis zur Präsentation hinzufügen. Bis auf die tägliche Windsurfsession am Pier war während des Contests nur schwer festzustellen, was die Teams planten, wodurch die anstehende Präsentation an Spannung gewann.
Party war natürlich auch angesagt. Eine deftige Melonenparty vom Team Detonation, sozusagen als „Après Surf“, war schon mal von Haus aus schwer zu überstehen, vor allem wenn man mit Jetlag sowieso in den Seilen hing. Weil es so spät in der Saison war, musste von Wassermelonen- auf Zuckermelonenbowle umgestellt werden – ich bin mir nicht sicher, ob das nicht noch viel schlimmer war. Für alle, die es von der Party noch wegschafften, ging die klassische Torbole-Runde los. Mit voller Action und freien Getränken, die Moby Dicks/Walter für alle Teilnehmer gesponsert hatte (anscheinend war ich doch noch auf der Liste, zumindest auf der für die freien Getränke), ging dann, wie unsere süddeutschen Freunde sagen, die Post ab. Viele der besagten süddeutschen Freunde hatten eindeutig einen Vorteil, da sie zu der Jahreszeit im vollen Training für das Oktoberfest standen. Den Rest der Nacht konnte ich wegen der freien Getränke nicht mehr beurteilen, mir wurde aber erzählt, dass manche sogar noch den Weg in die Diskos der Umgebung fanden. Ich hab nichts mehr gefunden und konnte mich glücklich schätzen, dass meine wunderbare Frau mich heimgebracht hat. Das kommt halt davon, wenn man auf Maui immer um 6:00 Uhr ins Bett geht.
{GALERIE} ion3.jpg Der nächste und finale Tag war für viele schmerzhaft, aber das gehört halt dazu. Die Spannung war immens, da alle Teilnehmer die Bilder um 17:00 Uhr am Conca d’ Oro abgeben mussten. Nach einem klassischen Pastadinner ging es zur Präsentation im Beachpark. Auf der leiwanden (österreichisch für super) Megaleinwand mit Red-Bull-Hummer-Sound begannen die Präsentationen.
Die Storys waren unglaublich: Ein verwirrtes Team F2 mit dem Bergfax Dani Aeberli, der den Weg vom Berg zum See nicht fand und zusehen musste, wie Teammember Alex Hasch im Sprung sein gesamtes Material verlor; das italienische Team Future um Fede la Croce, das im Hafen von Riva stecken blieb und zu Fuß durch die Menschenmassen und die idyllischen Gassen spazieren musste; das Team Altstars, das als heruntergekommene Bettler anfangen musste, um steuerfrei auf der Seepromenade ein Vermögen zu machen und voll pimped out mit neuestem Material und Boxenludern am Pier zu hausen. Nicht zu vergessen das A-Team, das sich gleich mit einem mehrdeutigen Naturshot und dem ersten FKK-airchachoo in Szene setzte. Alle Teams lieferten erstklassigen Style ab und mir tat es richtig Leid, dass ich zu spät gekommen war.
{GALERIE} ion4.jpg Nach langen Diskussionen stand das Endresultat fest, bei dem sich das Team Altstar (Alex Humpel, Pesche Vogt, Rolf Graf und Fred Niedner) gegen ein berauschendes A-Team (Andy Platzer, Andrea Ghione, Andrea Valade, Antonello) durchsetzen konnte. Ihnen gleich im Nacken saßen das Team Future (Fede La Croce, Matteo Guazzoni, Michele Franciosi) und Team F2 (Alex Hasch, Wolfgang Wiefling, Mathias Moser und Dani Aeberli). Das Team Detonation sprintete auf den fünften Platz (Gerhard Gürtler, Geli Huber, Peter Sedelmayer, Peter Schoen). Zu dieser Gesamtwertung gab es eine Selection der besten Shots in verschiedenen Kategorien, deren Preisträger sich über die exklusiven Naish-Carbon-Toilettensitze freuen durften: Der „Best lifestyleshot” ging ans A-Team, der „Best actionshot” ans Team Future und der „Best natureshot” ans Team m.sky.

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Stefan Kruse und seine Leidenschaft fürs Surfen

{GALERIE} stefan1.jpgAuch wenn Stefan am 24. Oktober 1983 in Wilhelmshaven auf dem Festland geboren wurde, ist er ein waschechter Insulaner und genießt die entsprechenden Privilegien auf der Nordseeinsel Wangerooge.
Die Liebe zum Meer und Wassersport wurde Stefan in die Wiege gelegt: Seine Familie zählt zu den ältesten der Insel, während sein Urgroßvater nicht nur als letzter echter Leuchtturmwärter der Insel, sondern auch wegen seines unübertroffen leckeren Labskaus einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte. Stefans Mutter Birgit war eine sehr gute und über Jahre die einzige Windsurferin auf Wangerooge.

Ich selbst reise, seitdem ich denken kann, nach Wangerooge. Nachdem ich im Dezember 1984 im Aldiana in Tunesien meinen Surfkurs samt Grundschein gemacht hatte, fuhr ich Ostern 1985 mit meiner nagelneuen Fanatic Viper auf die Insel, um mich in die Nordsee zu stürzen. Am Ostertag kam ich auf der Suche nach einem Priel zu Niedrigwasser an den Surfstrand, wo ich zwei langhaarige Typen beobachtete, die mit einem merkwürdigen, dreirädrigen Gerät inklusive Surfsegel auf dem Strand hin- und herknallten.
Von Neugier gepackt und mit dem Wunsch, auch mal mit diesem Ding zu fahren, lernte ich meinen zukünftigen Freund und Stefans ersten Förderer Kai Schultenkötter, damals noch auf Wangerooge lebend, später auf Norderney, und Stefans Onkel Wilhelm „Willi“ Kruse kennen.
Nachdem wir den Nachmittag mit dem Strandroller unterwegs gewesen waren, gingen wir in die „Tenne“. Mir war mit meinen 14 Jahren ein wenig mulmig zumute, weil die „Tenne“ in meinen Augen genau einer der Orte war, vor denen Eltern ihre Kinder warnen, aber der leere Kinderwagen vor der Eingangstür beruhigte mich. Ich erforschte das Sündenbabel und traf auf Stefans Mutter, die den Laden abendfein machte. Hinter der Tanzfläche traf mein Blick auf einen weißblonden, kleinen Jungen, der versuchte, sich am Billardtisch hochzuziehen, um die bunten Kugeln zu erreichen. Dies war der Moment, in dem sich Stefans und mein Lebensweg trafen und eine tiefe Freundschaft begann.
Die Tenne scharrte einen Haufen völlig verrückter Surfer um sich, die Stefan in ihre Mitte aufnahmen, obwohl er noch nicht einmal richtig laufen konnte. Ich habe Stefan nie mit Gleichaltrigen oder Nicht-Surfern über die Insel ziehen sehen. Sein Kinderzimmer und Spielplatz war das Surfmateriallager der Tenne, in welchem er in jeder freien Minute seine Paradedisziplin „Gabelbaumhängen“ perfektionierte. Klein Stefan war zudem immer und bei allem dabei, ob wir im Watt wanderten, Surfen gingen, mit den Strandrollern losknallten, Bretter flickten und shapten oder einfach nur rumhingen und auf Wind warteten.
Schon als Kindergartenkind zeigte Stefan eine große Selbstständigkeit. Der am Abend gestellte Wecker sorgte dafür, dass Stefan morgens pünktlich aufstand. Während seine Mutter oft noch länger schlief, zog sich der Kleine alleine an und frühstückte. Es standen immer ein großer Bierkrug mit schwarzem Tee und ganz viel Milch und Zucker, Corn-Flakes und manchmal auch sein Lieblingsbrotaufstrich auf dem Tisch. Oft sah ich Stefan morgens im Supermarkt oder auf dem Weg zum Kindergarten, wobei mich diese unglaubliche Selbstständigkeit und Vernunft des Kindes immer wieder erstaunte.
{GALERIE} stefan3.jpg Mit der Einschulung begann auch Stefans Surfkarriere. Sein erster Förderer und Antreiber war mein Freund Kai, der mittlerweile die Surfschule am Strand leitete. Während wir die Surfkurse gaben, war es Stefans größtes Vergnügen, den Surfschülern vor der Nase rumzufahren. Er konnte gar nicht genug davon bekommen, vor allem den älteren Schülern den Weg abzuschneiden, bis diese ins Wasser knallten, um ihnen anschließend zu zeigen, wie es richtig geht. Ich schätze, das war die Zeit, als er sich die Anlage zum Surflehrer legte und auf den riesigen Schulungsplanken alle damaligen Freestyletricks lernte und beherrschte.
Wenn der Wind auffrischte, war für Stefan aufgrund seines geringen Gewichts mit Windsurfen immer schnell Schluss und er schaute uns stundenlang in der Brandung oder im Watt zu. Besonders stolz war er immer auf seine Mutter Birgit, die sehr gut surfen konnte. Irgendwann war Stefan des Zuschauens bei viel Wind überdrüssig und so wurde der Wellenreiter gewässert. Weiterhin hatte Kai, weil damals keine anständigen Kindersegel vorhanden waren, unsere alten Segel für Stefan getunt. Schließlich mussten Skim- und Bodybords herhalten, um Stefans Tatendrang zu befriedigen.
Als Stefan in die erste Klasse kam, erlitt er einen großen Schicksalsschlag. Der Inselarzt stellte bei Stefan eine Wachstumsstörung in der Hüfte fest. Mit dieser Diagnose begann ein langer Leidensweg mit zwei Operationen, Krankenhaus, Rollstuhl und Reha, gefolgt von Schulausfall, Spott der Mitmenschen und der ärztlichen Prognose, nie wieder richtig laufen zu können. Aus dem prächtig heranwachsenden Jungen wurde ein trauriges, mageres und blasses Kind, dem die Lebensfreude abhanden gekommen war.
In dieser sehr schwierigen Lebensphase nahm sich vor allem Kai dem kleinen Stefan an. Sein eigenes Feuer bezüglich der großen Leidenschaft Windsurfen steckte auch den Jungen wieder an. Das Kinderzimmer war mit Surfpostern gepflastert und Stefan lernte sämtliche Surfmagazine auswendig. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt wurden aus seinen Träumen und Wünschen Ziele, die ihm genügend Kraft gaben, um den Rollstuhl zu verlassen und wieder richtig laufen zu lernen. Ich werde nie vergessen, wie die ganze Surfclique mit Stefan zum Surfen an den Strand ging und ihm alle zehn Meter in den Hintern trat, damit er weiter lief. Neben den Fortschritten an Land entwickelte sich Stefan auch auf dem Wasser und alle waren der Meinung, dass er viel besser surfen könne als zu Fuß zu gehen, geschweige denn zu laufen.
Alles, was Stefan brauchte, bekam er von der Surfszene – Zuspruch, Motivation, Anerkennung und natürlich auch Surfmaterial. Der Junge wurde schwerer und stärker, was es ihm ermöglichte, vorne in der Brandung windsurfen zu gehen. Es dauerte nicht lange, bis der Kleine zur Freude aller seinen großen Vorbildern mächtig einheizte.
Anfang der neunziger Jahre wechselte Kai die Insel – er ging nach Fuerteventura. Der Treffpunkt der Surfer, die Tenne, wurde abgerissen und die Surfszene löste sich nach und nach auf. Ich machte mich an Land selbstständig und war fünf Jahre nicht auf Wangerooge. Die Surfschule der Insel schlief ein und für Stefan begann eine einsame, führungslose Zeit auf seiner Heimatinsel. Letztlich verlor er wichtige Jahre in seiner surferischen Entwicklung.
{GALERIE} stefan2.jpg Die Highlights dieser Zeit waren Stefans Ferienbesuche bei Kai auf Fuerte, wo sich seine neue Motivation entwickelte. Die beiden fuhren zum Worldcup nach Sotavento, weil Kai ein Treffen mit Robbie Naish arrangiert hatte, um auf Stefan aufmerksam zu machen. Die Bedingungen an diesem Tag waren so gut, dass sich Stefan nicht von seinem Element trennen konnte und er sogar den Termin mit Robbie vergaß. Während Kai der geplatzten Verabredung nicht ganz so entspannt gegenüberstand, reagierte Robbie amüsiert: „Aus dem wird mal etwas, der geht lieber surfen als sich mit mir zu treffen.“
Hoch motiviert von seinen Erlebnissen auf Fuerteventura kehrte Stefan nach Wangerooge zurück, wo seine Entwicklung im Surfen jedoch durch fehlendes Material und fehlende Trainingspartner – meist war er mit Hayo der einzige auf dem Wasser – gebremst wurde. Diese Situation sollte sich ändern, als Bettina und ich im Sommer 1998 auf die Insel zurückkamen. Unsere Firma auf dem Festland war mittlerweile so groß und stabil, dass wir Zeit hatten, die Surfschule auf Wangerooge zu übernehmen. Der Surfstrand füllte sich wieder mit Leben. Es entwickelte sich eine neue Surfszene und Stefan hatte endlich wieder Surfschüler um sich herum, die er aber mittlerweile nicht immer nur vom Brett, sondern auch aufs Brett brachte. Nach wie vor demonstrierte Stefan den Schülern, wie sie richtig surften, freute sich aber mittlerweile, wenn sie stehen blieben und nicht dauernd im Bach lagen.
In den letzten Jahren entwickelte sich Stefan zu einem ganz hervorragenden Surfer und Surflehrer, der mittlerweile den Windsurfbereich unserer Schule leitete.
Nun kamen auch die ersten kleinen Sponsorings von jenseits der Insel. Stefan bekam Boards von Jogi aus Cuxhaven und der damalige Sailworksimporteur lies mal eine günstige Palette Wavesegel springen. Stefan wurde mit Abstand der beste Surfer auf der Insel und keiner konnte ihm mehr das Wasser reichen. Diese Situation stärkte Stefans Selbstwertgefühl zurecht.
Als Stefan die Schule abschloss und die Surfschulzeit im Sommer 2001 vorbei war, trieb es ihn zum Arbeiten und Trainieren nach Fuerte. Dass arbeiten zum Leben dazugehört, konnten wir ihm gerade noch beibringen und somit überlebte er seinen ersten Winter in der Ferne auf eigenen Füßen.
Unser blaues Wunder erlebten wir im Sommer 2002. Stefan kam als junger Erwachsener von Fuerte zurück nach Wangerooge, um wieder bei uns zu arbeiten. Er zeigte uns ein Feuerwerk an Manövern, die uns die Sprache verschlugen. Wir sollten uns noch oft über die Entwicklung Stefans wundern.
Stefan kehrte zunächst nach Fuerte zurück, wo er seinen Job sofort wieder aufnehmen konnte, weil er sich vorher so gut bewährt hatte. Im Jahr darauf ging es im Winter nach El Yaque und anschließend wieder nach Fuerte zum Surfcenter von Réné Egli. Auf einmal rannte Stefan in XS-EXES-Klamotten durch die Gegend, bekam Segel von Sailloft und Bretter von Hifly. Mit Hifly fuhr er auch nach Südafrika zum Fotoshooting.
Im letzten Jahr führten Stefans Wege nach Klitti, wo endlich genügend Wind war, um sich messen zu können. Stefan genoss die anderen Surfer um sich herum. Bei seinen ersten Heats war ich allerdings aufgeregter als er selbst. Ich bewundere noch heute seine Seelenruhe während eines Wettkampfes. Für Stefan ist es halt so, als ob er einfach nur surfen ginge. Er zeigte gute Heats und gehörte mit zu den besten Deutschen.
Im Jahr 2005 hatte Stefan das Bedürfnis, in das deutsche Windsurfgeschehen einzugreifen. Zuerst ging es, natürlich immer mit unserem Auto, zum Jump&Style nach Wustrow, wo er den ersten Platz belegte. Danach fuhr er zu seinen ersten Deutschen Meisterschaften nach Sylt, wo er auf Anhieb den vierten Platz im Freestyle erreichte. Nach unserem jährlichen Betriebsausflug nach Klitti fuhr Stefan im direkten Anschluss mit seiner Wildcard nach Sylt, wo er sich gerade aufhält, während ich diese Biografie tippe.
Ehrlich gesagt, wundere ich mich täglich über diesen blonden Jungen. Noch nie hat er Zigaretten, Alkohol oder Drogen angerührt, obwohl alles in Reichweite gewesen wäre. Außerdem ist Stefans Persönlichkeit frei von Gewaltpotential und Draufgängertum. Seine ausgeglichene Art spiegelt sich auf dem Wasser wider. Man erkennt Stefan unter vielen Surfern an seinem absoluten Können und der Kontrolle, mit der er seinen eigenen Style kreiert. Unverkennbar ist, dass er seit Kindestagen auf dem Brett steht. Manchmal frage ich mich immer noch, woher Stefan seine Kraft hergenommen hat, als er den Weg vom Rollstuhl an die Weltspitze im Surfen antrat. Trotz allen Erfolges ist er ein heimattreuer, friesischer Junge mit gutem Herzen geblieben, das ihn immer wieder zurück auf seine Insel lockt.
Text: Michael Meyer www.windsurfing-wangerooge.de

Stefan ist untrennbar mit dem Windsurfen verbunden – seit seinem ersten Windsurftag ist er zu hundert Prozent Windsurfer. Der Wind und das Meer haben ihn mehr geprägt als alles andere in seinem Leben, wobei nicht der Ehrgeiz, sondern die Faszination am Sport seinen Lebensplan so entschieden beeinflusst hat. Für Stefan war Windsurfen kein gewöhnlicher Kindheitstraum – es war von Beginn an sein Weg.

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Worldcup auf Sylt

{GALERIE} wcsylt4.jpgWorldcup! Ein Traum, der für viele Surfer unerreichbar erscheint. Schon öfter habe ich darüber nachgedacht, bei einem Worldcup mitzumachen, mich aber nie wirklich dazu durchringen können. Zusammen mit den Surfstars aus Magazinen und Videos zu surfen und sich mit ihnen zu messen, konnte ich mir eben nie richtig vorstellen. Doch drei Wochen vor Beginn des Worldcups auf Sylt bekam ich eine spontane Anfrage per E-Mail: „This is your confirmation, you are competing in the 2005 Sylt Worldcup“! Damit stand die Entscheidung fest: Ich werde beim Wave-Worldcup dabei sein.
Rechtzeitig erreichte ich am Samstagmittag das Pressebüro, um mich einzuschreiben. Meine beiden Freunde Jan und Stephan, die mich begleiteten, meldete ich als meine Caddys an und so gelangten auch sie zu den äußerst praktischen „Access-all-areas-Ausweisen“, die uns den Zugang zu allen wichtigen Locations des Worldcups ermöglichen sollten. Wir teilten uns mit Matze Bade und Jonas Schmidt eine kleine Wohnung im Norden von Westerland. Matze war wie ich das erste Mal bei einem Worldcup dabei, für Jonas war es das zweite Mal.
Nach einigen Unterschriften und Bezahlung der 160 Euro Startgeld bekam ich die wichtigen Segelsticker, neben den Sponsorenstickern natürlich auch die PWA-Sticker, die in jedes Segel geklebt werden mussten. Mein Material, das ich am Abend vorher am Hamburger Flughafen in einen großen PWA-Lastwagen geschoben hatte, wartete am Eingang des Materialzelts. Der Anblick der Masse an Material im Inneren des Zelts war schon echt beeindruckend. Ich hatte mit Jan und Stephan zusammen nicht so viel Material wie einer der anderen Fahrer alleine. Die Profis verursachten Berge von Müll durch das Verpackungsmaterial der unzähligen neuen Bretter, Segel, Masten und Gabeln, die sie von ihren Sponsoren direkt ins Fahrerlager geschickt bekommen hatten. Das spart natürlich Platz im Auto bei der Anreise. Im Materiallager sahen wir die Elite der Windsurfing-Welt an uns vorbeilaufen. Anfangs waren wir alle von ihrer Anwesenheit recht beeindruckt. Gegen die soll ich surfen? Die Atmosphäre im Zelt war trotzdem locker und entspannt, alle waren supergut drauf. Als ein Mast in einem Segel mit einem ohrenbetäubenden Knall zerbrach oder jemand Peter Volwaters sorgfältig aufgebaute Boardpalette zu Fall brachte, ging immer ein Lachen begleitet von einem mehrfach wiederholten „oh oh!“ durchs Zelt!
Der erste Programmpunkt war der „Einmarsch der Nationen“. Wie bei Olympischen Spielen versammelten sich alle Fahrer eines Landes unter der jeweiligen Flagge und marschierten gemeinsam durch eine riesige Menschenmenge! Es war schon ein wahnsinniges Gefühl, Teil der Windsurfing-Profiwelt zu sein, mit den ganzen Stars auf einer Bühne zu stehen und von Hunderten begeisterten Menschen bejubelt zu werden, obwohl man eigentlich noch gar nichts gemacht hatte, denn es war ja erst die Eröffnungszeremonie!
Der Worldcup war eröffnet. Das erste Skippersmeeting fand am nächsten Tag um 10:00 Uhr statt. Der Contest selbst startete so wie bis jetzt jeder meiner erst sechs Windsurf-Events: mit Flaute! Nebenbei erfuhr ich, dass meine Sponsoren nicht Mitglied in der PWA-Firmenvereinigung sind, und deshalb keines meiner Sponsorenlogos größer als 20 Zentimeter sein durfte. Das hieß im Klartext, entfernen bzw. überkleben sämtlicher Logos von Hifly und Sailloft in meinen Segeln. Zu dritt hatten wir es nach drei Stunden geschafft, „falsche“ Sticker zu entfernen und die „offiziellen“ Sticker sowie Segelnummern zu kleben.
{GALERIE} wcsylt3.jpg Am dritten Tag sah es endlich so aus, als könnten die ersten Wettfahrten stattfinden. Das komplette Starterfeld für Slalom war schon auf dem Wasser, der Kurs gelegt, doch kurz vor dem Start sank der Wind wieder unter das erforderliche Limit von sieben Knoten und der Start wurde abgebrochen! Trotzdem waren bei super Sonnenschein sehr viele Zuschauer am Strand, denen auch bei den für uns Surfer schlechten Bedingungen einiges geboten wurde. Die Profis nahmen sich viel Zeit für Autogrammstunden, schrieben sich ihre Finger wund und genossen ihre Beliebtheit und Anerkennung bei den vielen Zuschauern. Wetterbesserung war zwar in Sicht, aber bis dahin nahmen noch einige die Gelegenheit wahr, sich auf den exzessiven Sylter Partys zu verausgaben. Obwohl ich auch nicht gerade früh nach Hause kam, gab es eine Reihe von Profis, die es noch länger aushielten. Ich will gar nicht wissen, wie viele von ihnen den Sonnenaufgang nach durchzechten Nächten in diversen Tabledance-Clubs erblickten …
{GALERIE} wcsylt2.jpg Als der Wind endlich kam, ging die Action gleich los. Zuerst wurde bei sportlichen Bedingungen mit Sideshore-Winden der Slalom gestartet. Die Slalompiloten schossen in beeindruckendem Tempo übers Wasser. Insgesamt wurden am ersten Tag vier komplette Läufe gestartet, in denen Björn Dunkerbeck zeigte, dass er den Ruf des „Terminators“ immer noch verdient. Bei den schwierigen Bedingungen ließ er nichts anbrennen und fuhr in allen vier Finalläufen als Erster durchs Ziel und damit allen davon. Bernd Flessner als bester deutscher Slalomrenner fuhr konstant in jedes Finale und mischte ordentlich in den Topten der Welt mit. In den folgenden Tagen änderte sich nicht viel bei den Slalomrennen. Solange der Wind stark war, dominierte Dunkerbeck die Rennen, er gewann insgesamt fünf. Micah Buzianis, over all Zweiter, schaffte vier Siege. Der drittplatzierte Antoine Albeau konnte kein Finale für sich entscheiden, fuhr jedoch sehr konstant. Bei leichterem Wind schaffte es Arnon Dargan aus Israel, zwei Läufe zu gewinnen. Auch Kevin Pritchard konnte einen Finallauf gewinnen, landete aber im Endergebnis nur auf Platz 9. Dunkerbeck gewann also die Slalom-42-Wertung auf Sylt und muss sich damit in der Weltrangliste den ersten Platz mit Micah Buzianis teilen. Zwei Weltmeister standen somit fest, der Wave-Weltmeistertitel musste noch ausgekämpft werden!
{GALERIE} wcsylt1.jpg Ich guckte mir die meisten Slalom-Rennen vom Wasser aus an, denn Matze, Jonas und ich fuhren uns für den bevorstehenden Wave Contest ein. Die Regattaleitung gab ständig durch, dass der Windspeed mit 13 Knoten nur knapp über dem erforderlichen Windlimit lag und es somit oft zu Startverschiebungen und Abbrüchen kommen würde. Einmal konnte es Matze einfach nicht glauben, dass der Wind nicht reichte, zog sich kurzerhand bis auf die Boxershorts aus, nahm sich sein 4.7er und testete mal eben an! Ein „Boxershorts-Frontloop“ über den Shorebreak sah schon etwas verrückt aus, überzeugte uns aber endgültig, dass genug Wind war! Letztendlich waren wir den ganzen Tag mit 4.7 gut angeknallt am Surfen!
Um den für Donnerstag angesagten Wind perfekt auszunutzen, wurde das Skippermeeting für die Waver auf eine unchristliche Zeit noch vor dem Aufstehen gelegt. Die Sonne stand um 7:30 Uhr gerade einmal über dem Horizont, da war Steffi Wahl schon eine knappe Stunde auf dem Wasser. Bei strömendem Regen und guten 6-7 Bft genau Sideshore von links machte ich mich für meinen Heat gegen Alex Mussoulini bereit. Der Wettkampf war in vollem Gange. Matze baute noch schnell ein paar Segel auf und Jonas war schon eine halbe Stunde auf dem Wasser gewesen, um sich einzufahren.
Ich war der Erste von uns Dreien, der in den Heat musste. Die grüne Fahne ging hoch und ich schoss etwas überpowert mit 4.7 auf die Wellen für meine ersten Sprünge und Wellenritte zu. Etwas verspätet erreichte mein Gegner Alex Mussolini den Heat, was ihn nicht davon abhielt, Push- und Backloops sowie extreme Wellenritte zu zeigen. Er hatte nicht umsonst letztes Jahr den fünften Platz auf Sylt belegt. So war es für mich auch keine Schande gegen ihn zu verlieren. Nur wäre ich gerne mehr als zehn Minuten bei dieser Veranstaltung mitgefahren.
Auch Matze hatte mit Greg Allaway einen harten Gegner, aber er machte es ihm nicht leicht. Ein Tabeltop Forward sowie ein perfekter Pushloop von Matze machten diesen Heat sehr knapp. Die Entscheidung hing am Wellenritt, in dem Matze leider etwas hinten lag.
Jonas musste sich mit Matt Pearch messen. Allerdings machte ihm der fette Sylter Shorebreak sehr zu schaffen und auch er schaffte es leider nicht in die zweite Runde.
Nach einer Schauerfront wurde die zweite Runde bei vier Windstärken und Side-Onshore von rechts gestartet. In diesen Bedingungen schaffte es Bernd Flessner nicht, sich gegen Vidar Jensen durchzusetzen. Auch der letzte Deutsche, der in die zweite Runde gesetzte Klass Voget, musste sich in seinem Heat Xavier Huart geschlagen geben, der mit Glück die besseren Wellen erwischte. Einen für die Verhältnisse sehr guten Heat zeigte auch Nik Baker, der trotz Onshore-Bedingungen schöne Front- und Backloops sowie radikale Wellenritte zeigte und so in das Viertelfinale einzog.
Der Wind war sehr inkonstant und viele Heats mussten abgebrochen und wiederholt werden.
In der Hoffnung auf bessere Wellen wurde die Competition Area mehr nach Luv gelegt und die Judges nahmen in Jeeps am Strand platz. Das gab uns die Möglichkeit, warm und trocken im Judge-Container Platz zu nehmen und so den vielen Regenschauern zu entgehen.
Die deutschen Mädels schafften es leider auch nicht viel weiter. Andrea Hausberg und Steffi Wahl schieden beide in der ersten Runde aus. Obwohl Steffi die besseren Wellen gegen Karin Jaggi erwischte, hatte sie leider keine Chance gute Sprünge zu zeigen und musste sich geschlagen geben.
Bei den Männern schaffte es Robby Swift, Björn Dunkerbeck zu schlagen. Die Action fand nun immer mehr draußen auf der Sandbank statt, wo ganz vernünftige Wellenritte und Sprünge möglich waren.
Kauli zeigte einen sehr schönen Air Chachoo, den er quasi mit Ankündigung sprang. Erst rippte er den Shorebreak direkt vor den Judges und dann raste er voll auf Raumwindkurs auf die ersten Wellen zu und katapultierte sich in die Rotation hinein. Erwartungsgemäß setzte er sich gegen Xavier Huart durch, obwohl dieser ein paar sehr schöne Wellenritte hatte, die allerdings nicht an Kaulis Radikalität und Style heranreichten.
Mein Vorrundengegner Alex Mussolini eliminierte den amtierenden Weltmeister Scott McKercher und zog ins Viertelfinale ein. Auch Matzes Vorrundengegner Grubby Allaway schaffte eine Überraschung und haute den Zweiten der Wave-Weltrangliste und Weltmeisterschaftsanwärter Kevin Pritchard aus der Competition.
Nach zwölf Stunden ging um 7:00 Uhr abends ein sehr langer und actionreicher Tag zu Ende. Doch für viele Fahrer bedeutete der Anbruch der Nacht noch nicht das Ende des Tages.
In den letzten Tagen des Worldcups waren immer mehr Fahrer in der dritten Sylter Worldcup-Disziplin am Start: Party machen! Die Moves wurden radikaler und die Heats länger. Der Bruder von Jonas Ceballos zeigte einen „tweaked pants down“ und wagte sich sogar an den „tripple Groupie“! Antony Ruenes und Boujamaa Guilloul überzeugten uns durch eine gelungene Over-all-Performance an gleich mehreren Tagen. Auch Peter Volwater erhielt von uns zwölf Punkte für seine Performance am letzten Abend, sein Heat beinhaltete alles vom schönen „Groupie-Ritt“ auf der Tanzfläche bis hin zum „mega high Pogo Jump“. Kauli, ganz weltmeisterlich, schnappte sich gleich zwei Groupies in einem Zehn-Minuten-Heat! Kevin Mevissen belegt definitiv einen der vorderen Plätze. Auch er zeigte am letzten Abend die komplette Range an neusten Groupie-Moves!
Alles in allem war es ein sehr gelungener erster Worldcup für mich und ich werde nächstes Jahr mit Sicherheit wieder dabei sein, wenn es heißt: „Attention Competitors – this is your one o’ clock announcement: Nothing has changed, the wind is still at five to seven knots. You are still on standby. Your next announcement will be at 1:30!“

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