Manchmal braucht es schon besondere Umstände, um einen Trip zustande zu bringen, und es sollte auch dieses Mal nicht anders kommen. Während eines Freestyle-Contests im Engadin wurde in der langen Wartezeit, die solche Contests so an sich haben, mit unserem englischen Freund Oly die Idee eines Irland-Trips geboren.
Die Idee geisterte schon einige Zeit in meinem Gehirn herum, aber dieses Mal schien endlich alles zusammenzupassen. Freunde, die mitwollten, der richtige Zeitpunkt und die richtige Location. Mit dem angeregten Gespräch und der immer attraktiveren Idee war es auch um Pesche Vogt geschehen, der ohne lange Diskussion gleich mit von der Partie war. Und so brauchte „gut Ding“ nicht immer Weile und wir fixierten den Trip mit einem Abflugdatum in zwei Wochen.
In der Zwischenzeit lag noch der Lago di Garda ION Photocontest auf dem Programm, wo wir als ALTSTAR TEAM an den Start gingen. Am Lago dauerte es nicht lange und wir hatten auch noch die „Italo Gang“ mit Fede La Croce vom Trip begeistert. Fede organisierte noch kurzerhand den italienischen Haus- und Hof-Fotografen Fiore, der alles dokumentieren sollte, und fertig waren die Italiener. Inzwischen beinhaltete unsere Reisegruppe sechs Personen: drei Italos, einen Ösi, einen Swissly und einen Brite. Doch damit nicht genug. Oly warb gleich zwei weitere Teilnehmer an; seine Frau Renata und ein weiterer Monty-Python-Engländer schlossen sich uns kurzerhand an. Neuer Zwischenstand war also: drei Italos, ein Ösi, zwei Swissly und mittlerweile zwei Briten.
Unsere Destination Brandon Bay zeigte uns schon in diversen Wettervorhersagen, was wir zu erwarten hatten: Massiver Swell und orkanartiger Wind ließen das Herz gleich schneller schlagen. Wenn er dann auch wirklich kommt – schließlich kennt man ja die Zurechnungsfähigkeit der Wettervorhersagen …
In Irland gelandet mussten wir uns den Weg nach Brandon Bay in Dunkelheit per Karte und Linksverkehr erahnen. Ich muss dazu anmerken, dass die Straßen in Irland absolut irre sind. Da wird eine kurvige, schmale Straße mit 100 km/h beschildert, was dann mit dem voll beladenen Fiat Punto ohne Dachträger und einem Innenraum, aus dem man gerade noch rausschauen kann, richtig spannend werden kann. Ankunft um 3:00 Uhr morgens. Im Haus noch eine Entspannungs-Ziggi, dann schlafen und sehen, was der nächste Tag so bringt. Am nächsten Morgen ein erster Blick aus dem Wohnzimmerfenster, eine der schönsten Aussichten seit langem. Was man allerdings nicht sieht, ist die Lufttemperatur, die zwar erträglich ist, aber ein bisschen Eingewöhnungszeit verlangt.
Tag 1
Da wir alle doch schon einige Trips auf unserem surferischen Buckel haben, fällt es uns nicht sehr schwer, die richtigen Plätze zu finden. Allerdings muss man einräumen, dass unser Timing nicht immer das beste ist, denn der erste Tag bringt außer kniehohen Wellen und sehr böigem Wind nicht viel, was uns aber nicht von einer netten ersten Session abhält.
Tag 2
Die Briten kommen! Am späten Nachmittag gibt es eine sehr coole Session. Sideoffshorewind und Wellen, die gegen Ende unserer Session immer höher und besser werden. Es regnet zwar in Strömen, was aber der Windsurfer-Qualität nichts anhaben kann. Fotograf Fiore zeigt sich dabei als der härteste von uns allen, da er drei Stunden lang in bitterer Kälte und Nässe den Finger am Abzug hält. Gegen 6:00 Uhr abends wird es langsam dunkel und für uns ist es Zeit, sich einer anderen irischen Tradition zu widmen: dem Nationalgetränk GUINESS. Zusammen mit „fast local“ Olly, der nach zwei Guiness chronisches Nasenbluten bekommt, überleben wir eine anregende Tour durch Brandon Bays Pubs.
Tag 3
Leicht verkatert, aber voller Motivation wagen wir den Blick durch unser Panoramafenster. Wir erstarren im Schock in der Ansicht absoluter Flaute und Swell, der mehr an die eigene Badewanne erinnert. Nach den erfolgreichen Versuchen, den lästigen Kater vom Vorabend wieder loszuwerden, cruisen wir deshalb um die Halbinsel herum, schießen einige Lifestyle-Bilder und filmen die absolut faszinierende Natur. Die ist in Irland so dermaßen schön, dass man ohnehin alle 50 Meter anhält und filmt, Bilder macht oder mit offenem Mund nur so da steht und vergisst, was man eigentlich machen wollte.
Tag 4
Der Wind kehrt zurück, aber leider reicht es nur für eine halbe Stunde Leichtwind-Waveriding am untersten Ende der Bucht von Brandon Bay. Wahrscheinlich hätte es auch für eine Stunde gereicht, aber als Spotneulinge kann es schon mal passieren, dass man am falschen Ende etwas zu lange verweilt. Naja, wem sag ich das … Aber besser so, als gar nicht.
Gegen Abend geht es nach Trallee zum Wetterchecken und natürlich zu einer weiteren Pubtour. Man muss dazusagen, dass eine Pubtour praktischerweise auch gleich das Abendessen beinhaltet, da ein Guiness schon so viele Kalorien hat wie ein typischer österreichischer Schweinebraten mit Knödel und Soße.
Trallee ist die größte Stadt in der Umgebung und es kann an manchen Tagen sogar passieren, dass sich mehr als zehn Menschen in den Pubs aufhalten. Das soll natürlich nicht heißen, dass sonst niemand in die berühmt berüchtigten Pubs geht, sondern nur, dass es anscheinend deutlich mehr Pubs als Einwohner pro Quadratkilometer gibt.
Tag 5
Es wird stürmisch! Der erste Blick aus dem mittlerweile schon berühmt gewordenen Panoramafenster ist nicht wirklich notwendig, da der Sturm nicht zu überhören ist. Wir haben Wind und das nicht zu knapp! Der nähere Anblick der Spots ist dann etwas frustrierend. Es rollen masthohe Lines in die Bucht, die von 60 oder mehr Knoten Wind total zerpflügt werden. Nun geht das große Warten los. Alle acht von uns hängen mehr oder weniger den ganzen Tag am Wohnzimmerfenster und beobachten das Naturschauspiel in der Hoffnung, dass es doch noch windsurfbare Bedingungen werden.
Am frühen Nachmittag wird es mir zu langweilig und ich beschließe, einen Versuch zu starten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Warmer Anzug und 4.0er Segel – etwas Kleineres habe ich gar nicht mit – sind schnell hergerichtet und es geht los. Den ersten Schlag mache ich noch voll motiviert weit über den Break hinaus. Dort angekommen bin ich allerdings sehr happy, dass ich mich noch irgendwie zurück Richtung Strand retten kann. Draußen pustet ohne Übertreibung der stärkste Wind, den ich je erlebt habe und ich danke nochmals allen guten Geistern, dass ich wieder zurückgekommen bin. Nach diesem intensiven Erlebnis spiele ich noch ein bisschen an der Inside zwischen den Böen herum. Kollege Franz probiert es auch noch kurz, muss aber ebenfalls feststellen, dass auch Windsurfen seine Limits hat.
Leider hatten wir in unserer kleinen Reisegruppe keine Speedfreaks dabei, denn die hätten auf der ablandigen Seite sicherlich einige Rekorde gebrochen.
Tag 6
Irischer Regen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Tag 7
Unsere Italogang reist ab. Mit dabei leider auch unser Fotograf Fiore, dem wir alle nochmals danken wollen, dass er dabei war und sich für gute Action-Shots bei Kälte und Regen verausgabt hat. Mit der Abreise endet auch unser kleiner Reisebericht einer coolen Woche, die in allen Belangen äußerst abwechslungsreich war.
Wir, Pesche, Oly, Andy, Renata und ich, hatten noch eine Woche vor uns, die uns noch richtig schöne, klassische Brandon-Bay-Conditions brachte.




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