Seine Windsurfkarriere begann wie die von vielen. Auf einem riesigen Brett, mit viel zu großen Segeln und einer Schnur, die seine Eltern an der Terrasse festgebunden hatten. Doch dieser Junge konnte etwas vorweisen, was die anderen nicht hatten: Talent, Ausdauer und Eltern, die ihn bei Wind und Wetter in seiner Leidenschaft unterstützten.
Jetzt, 21 Jahre später, ist Peter Volwater (31) schon mehr als zehn Jahre Hollands bekanntester Allround-Profiwindsurfer. Er ist in der PWA der zurzeit erfolgreichste Windsurfer aus dem Land des Käses. Grund genug, ihn dir einmal genauer vorzustellen. Unser Lieblingsmitarbeiter Mart Kuperij, der gleichzeitig Chefredakteur beim holländischen Windsurfmag „Motion“ ist, und sein Leibeigener Marcelino Lopez trafen Peter auf ein Bierchen.









FM: Wie kam es, dass du mit Windsurfen angefangen hast?
PV: Meine Eltern gingen immer segeln, aber als mein Bruder durch das Nachbarskind Kontakt zum Windsurfen bekam, wurde das Boot bald uninteressant. Ich war zehn Jahre alt und schon vollkommen abhängig von diesem Sport. Mein Vater belieferte Ten Cate und eines Tages brachte er einige Polyethylen-Bretter mit nach Hause, die wegen Schönheitsfehlern nicht verkauft werden konnten. Wir hatten ein Ferienhaus am „Uitgeestermeer” in Holland, wo wir immer die Sommerferien verbrachten. Am Anfang machten meine Eltern mein Board immer an einer Schnur an unserer Terrasse fest, damit ich nicht zu weit hinaussurfen konnte. Wenn der Wind richtig ablandig war, machten die Leute bei uns im Garten über die gespannte Schnur immer schöne Schleuderstürze.
FM: Du hast den Ruf, vor allem in der Luft ein richtig Guter zu sein. Ist das deine Lieblingsdisziplin beim Windsurfen?
PV: Auf jeden Fall! Als ich 14 Jahre alt war, sah ich auf dem IJsselmeer einen Typen bei Windstärke 8 so unglaublich hoch springen, dass ich schwer beeindruckt war. Dieser Typ fuhr alleine auf diesem großen See, machte eine geile Show und hatte totale Kontrolle. Jumps von drei Metern fand ich damals unglaublich hoch. Da stand ich also, ein kleiner Bub, und dachte, verdammt, das will ich auch! Also lernte ich auf dem Uitgeestermeer springen. Und klar, wenn man auf flachem Wasser schon gut springen kann, kann man in der Welle zweimal so hoch springen!
FM: Wann war dir klar, dass du richtig gut werden könntest?
PV: Mit 14 Jahren machte ich bei einem Slalomwettkampf in Aalsmeer mit und wurde Zweiter. Das brachte mir eine Menge Respekt von den älteren, gesponserten Jungs ein. Ich besaß zu der Zeit ein 5,8 Freeride-Segel und ein Ten Cate Fury und damit machte ich alles: Slalom, Wave … Als die schwereren Jungs schon mit 5,0 fuhren, war ich noch immer mit meinem 5,8er unterwegs. Als ich 17 war, gewann ich die „Gouwzee Surfpool”. Im selben Jahr wurde ich von Peter Stuyvesant Travel zu meinem ersten World Cup nach New Caledonia eingeladen. Ich reiste damals mit Lucienne Ernst und dem Coach Dick Veltman. Es war ein Drama. Wir sollten damals 10.000 Gulden (fast 10.000 DM) bezahlen, um die Boardbags mitnehmen zu können! Also buchten wir auf eine andere Maschine um. Einmal auf der Insel gab es überhaupt keinen Wind. Ich glaube, in der Woche wurde genau ein Rennen gefahren. Für mich genug, um zu sehen, dass ich viel langsamer war als alle anderen. Eine gute Lehrstunde. Jeder fuhr Custom Boards und war den ganzen Tag damit beschäftigt, sein Material zu tunen. Ich hatte normale Standardboards und -segel, da war mal gar nichts getuned. Es war also ganz gut, dass kein Wind war und ich nicht gefahren bin!
FM: Und weiter?
PV: 1994 gewann ich die Europäischen Meisterschaften in Tarifa und wurde im internationalen F2-Team aufgenommen, von dem ich zum jährlichen Photoshooting nach Maui eingeladen wurde. Das war eine ziemlich heftige Erfahrung, als ich auf einmal neben Björn Dunkerbeck stand. Wir hatten ein Haus am Wasser bei Sprecksville. Björn war natürlich der Mann und ich ein Rookie, der gerade dazugekommen war. Ich stand ziemlich unter Hochspannung – der erste Photoshoot mit einem Heli, man will coole Moves zeigen … Die Erfahrung war auf jeden Fall einmalig. Zusammen mit Seb van den Berg und Elton IJpma sind wir ein Jahr später nach Südafrika gezogen, um zu überwintern. Wir haben viel gelacht und sind sehr oft gesurft. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich eine super Zeit hatte. Viele schöne Erinnerungen sind geblieben. Ich bin durch diese Zeit zu dem Windsurfer geworden, der ich jetzt bin. In Südafrika gewann ich den „Archers Wave Classic“ gegen Eric Groenewoud im Finale. Das war 1997, glaube ich. Er war zu dieser Zeit der Ruler. Von ihm habe ich damals den Willy Skipper gelernt. Es war etwas ziemlich Besonderes, gerade dort zu gewinnen. Wir hatten viel Wind – ich hatte ein 4,5er Segel – und es gab riesige Wellen in Whitsands. Im Finale lief alles flüssig. Groenewoud machte seine Pushloops, ich meine hohen one-handed Backloops und Doppelloops – ach, das war ein herrliches Finale, das ich übrigens auch noch auf Video habe.
FM: Du hast viel Support von deinen Eltern gehabt, oder?
PV: Unglaublich viel. Es ist ziemlich schwer, ans Wasser zu kommen, wenn man keinen Führerschein hat. Wenn ich surfen gehen wollte, brauchte ich nur fragen. Meistens machten wir eine Zeit zum Abholen ab. Ich kann mich noch an einen eiskalten Herbsttag in Schellinkhout erinnern. In meinem Enthusiasmus fragte ich meine Mutter, ob sie mich erst um vier abholen könnte; also saß ich am Ende zwei Stunden am See und bin fast erfroren. Die meisten meiner Freunde hatten natürlich nicht so einen Chauffeur. Für sie war es daher fast unmöglich, viel zu surfen und wirklich gut zu werden.
FM: Was sind deine Stärken?
PV: Wellen mit Wind von links, Slalom, extreme Bedingungen, Erfahrung und Fitness.
FM: Welche Menschen haben dich inspiriert?
PV: Robby Naish, Jason Polakow und Josh Angulo haben den geilsten Style, wie ich finde. Mark Angulo war früher sehr kreativ und ist der Erfinder von vielen schönen Manövern. Zurzeit fahren Kauli Seadi und Boujmaa Guilloul in meinen Augen sehr progressiv.
FM: Lässt du dich dadurch beeinflussen? Pushloop-Tabletops zum Beispiel – versuchst du die auch?
PV: Solche Sachen lerne ich langsamer als diese jungen Hüpfer. Ich brauche dafür doch schon ein bisschen mehr Zeit. Klar, ich versuche diese neuen Moves, aber in einem Heat macht man doch eher die Sachen, von denen man weiß, dass man sie auch landen kann. Obwohl, in Guincho hatte ich dieses Jahr einen Heat gegen Brawzhinio. Es war sehr ausgeglichen, bis er einen perfekten Air Dieter machte. Ich musste etwas dagegen setzen. Ist man jünger, befindet man sich noch öfter im Zugzwang und muss größere Risiken eingehen.
FM: Wie bereitest du dich auf Wettkämpfe vor?
PV: Vorbereitung ist alles. Ich trainiere oft bei den Bedingungen, wie es sie beim Event auch gibt, und tune mein Material richtig gut. Mit Musik versuche ich, in die richtige Stimmung zu kommen. Ich höre gerne System of a Down oder Tool, aber jeder hat seine eigenen Präferenzen. Ansonsten versuche ich, meinen Heat schon vorher zu visualisieren. Manchmal kriege ich ein Gefühl von Ekstase, wenn ich mir vorher vorstelle, wie ich mich fühle, wenn alles in meinem Heat gut geht. Wichtig für die Ausdauer ist, sich richtig zu ernähren. Es kann aber auch passieren, dass man am besten nach einer Party fährt, weil man dann vielleicht relaxter ist.
FM: Hast du Erfahrungen damit?
PV: Na klar, ich habe schon oft gute Leistungen nach einer durchfeierten Nacht gezeigt. Wenn ich Party gemacht habe, denke ich nur an meinen Heat, konzentriere mich vollkommen auf die Moves, dass ich nicht reinfalle und alles heil überstehe – pures Überleben also …Man ist dadurch weniger nervös und abgelenkt. Der Nachteil ist natürlich, dass man generell weniger Energie hat, den Tag zu überstehen.
FM: Machst du beim Slalom wieder mit? Wie sehen deine Chancen in dieser Disziplin aus?
PV: Auf Sylt bin ich letztes Jahr Sechster im Slalom geworden und musste mir den ersten Platz im Waveriding mit einem anderen Fahrer teilen. Im Super-X wurde ich Fünfter. Ich finde es super, wieder Slalom zu fahren. Es ist Fun und ein objektiver Wettkampf ohne Jury. Wer als Erster über die Ziellinie fährt, gewinnt. Wenn man keine Wellen hat finde ich es bei richtig Hack sowieso geiler, einfach sauschnell hin und her zu fahren, anstatt auf meinem Wavebrett herumzuturnen. Insgesamt wäre ich dieses Jahr mit einem Platz unter den ersten Dreien unglaublich zufrieden. Aber die Top 5 sollten machbar sein. Ich bin gut vorbereitet und beim Slalom weiß ich, dass ich besser halse als die meisten anderen Teilnehmer.
FM: Erzähl doch mal von einem deiner letzten Trips!
PV: Ich war einmal mit den Fotografen Gilles Calvet, Scott McKercher und Thomas Traversa auf Cocos Islands, wo echte „Indo-Bedingungen“ herrschten. Die Palmen blockierten den Wind und wir mussten mit unserem Windsurfmaterial nach draußen schwimmen und in den großen Wellen duckdiven. Wenn man aber mit seinem großen Brett und Segel eine Welle bekam, hatte man eine unglaublich saubere Welle zum Abreiten mit zehn Bottomturns.
FM: Hast du an solchen Spots manchmal Angst?
PV: Ja, klar. Auf Cocos waren die Wellen an einem Tag unglaublich hoch und gefährlich. Dazu kommt, dass es ein superscharfes Riff unter diesen Wellen gibt. Aber im Prinzip waren diese Gefahren noch ziemlich überschaubar. Man muss nur wissen, wie man fällt. Was risikoreiche Bedingungen angeht, glaube ich sowieso, dass Pozo auf Gran Canaria bei 50 Knoten Wind gefährlicher ist. In Jaws hatte ich mal richtig die Hosen voll! Da werden die Beine wie Spaghetti, wenn du eine Welle abfährst. Wir fuhren damals durch den Haden von Kahului raus, da war der Swell schon doppelt masthoch. Es brach auf beiden Seiten vom Hafen und man konnte direkt in die Barrel gucken. Wir saßen mit sechs Leuten in so einem kleinen Fischerboot, das auf dem Swell auf und ab schaukelte. Wir fuhren an der äußeren Seite Ho’okipas vorbei, wo es ebenfalls doppelt masthoch brach und der Spray noch mal drei Meter in die Luft ging. In dem Moment überlegte ich mir, was wohl passierte, wenn der Motor von unserem Kutter ausfiele. Irgendwann kamen wir bei Jaws an. Ich kannte den Spot nur aus Filmen. Völlig nervös baute ich auf dem kleinen Boot mein Segel auf. Robby Naish war schon auf dem Wasser. Ich habe in einer Dreiviertelstunde zehn Wellen geritten. Ich war so gestoked. Irgendwann musste ich aufhören, weil ich einfach nicht mehr konnte.
FM: Du reist ziemlich viel. Fühlst du dich noch irgendwo zu Hause?
PV: Nirgends ist es, wie zu Hause. Auch für mich. Zu Hause ist, wo deine Familie und deine Freunde sind. Jetzt ist das die Niederlande, Australien und Maui. Irgendwann werde ich wählen müssen. Wenn ich einige Wochen zurück bin und meine Freunde gesehen habe, spüre ich den Drang, wieder wegzugehen. Das Gefühl von „Zuhause“ geben mir ein bisschen mein Laptop, mein Rucksack, meine Tasche und meine Surfsachen. Wenn ich einmal Frau und Kinder habe, wird sich das vielleicht ändern.
FM: Hast du zurzeit eine Partnerin?
PV: Ich habe jemanden kennen gelernt, die vielleicht gut zu mir passt. Ich finde es ziemlich schwierig, eine gute Beziehung zu führen, weil ich mit der Tour ziemlich beschäftigt bin. Sie ist ein bisschen eine Mach-Welt. Du bist mit den Jungs alleine und Frauen anmachen gehört irgendwie dazu. Da habe ich mich nie zurückgehalten. Aber irgendwann wird man ruhiger. Vor einigen Jahren hatte ich eine Beziehung mit einem Mädchen aus Wien. Ich fand es schön, dass sie aus einer „anderen Welt” kam. Als Windsurfprofi sitzt man auf einer Insel, die PWA World Tour heißt. Sie hatte ein Leben wie viele andere Menschen und das empfand ich als sehr angenehm. Aber die Entfernung hat letztendlich einen Strich durch die Beziehung gemacht.
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