Nein, es ging bei den diesjährigen PWA Aloha Classics am Strand von Hookipa auf Maui nicht um die Wurst. Es ging um richtig viel Kohle. 45.000 Dollar Preisgeld standen für das Abschlussevent der Saison für Fahrer aus der ganzen Welt zum Abräumen bereit. Vom 6. bis zum 17. November kämpften
zum letzten Mal in diesem Jahr Männer wie Frauen um den glorreichen Titel in der Disziplin Wave. Insgesamt 26 Damen und sage und schreibe 65 Männer ließen sich trotz der langen Anreise mit teilweise mehreren Hundert Kilo Windsurfgepäck die Laune nicht verderben und erschienen pünktlich am Hookipa Beach Park. Obwohl sich die Besten der Besten unter ihnen befanden, lastete der
Druck auf allen Teilnehmern enorm – ist der North Shore mit seinen knochenbrecherischen Wellen doch das spirituelle Mekka für so manchen Pro. Gerangel sollte es auf den vorderen Plätzen vor allem zwischen den Favoriten Kevin Pritchard (Starboard/MauiSails), Kauli Seadi (Quatro/Naish), Josh Angulo (Angulo/Ezzy), Nik Baker (Mistral/North Sails) und Victor Fernandez Lopez
(Fanatic/Simmer Style) geben, die mit nur einem Ziel nach Maui gereist waren: Sich den Titel zu holen. Aber auch die Locals machten ihr klares Anrecht auf die Krone deutlich – immerhin ist für Francisco Goya und Jason Polakow der North Shore so etwas wie der Spielplatz hinterm Haus.
Der erste Wettkampftag kam in typischer Maui-Manier daher: strahlend blauer Himmel, ein konstanter Wind aus Ost und Logo-hohe Wellen. Bei solchen Bilderbuchbedingungen konnte jeder seine Schokoladenseite vor den Judges vorführen. Dabei machten vor allem die Nachwuchsripper rund um Kai Lenny von sich reden. Kai, der mit seinen Eltern auf Maui lebt, besiegte mit seinen 14
Jahren den Amerikaner Kevin Ponichtera und den Briten John Skye souverän. Der zweite Tag zeigte sich weniger gut gelaunt und so wurde der angesagte Start der Damen für 10.30 Uhr Ortszeit auf den Nachmittag verschoben. Doch die Ladies hatten Pech. Der einzige Heat wurde nach 20 Minuten wegen einschlafender Winde und mangelhafter Wellen abgesagt. Ab 16.30 Uhr
durften alle endlich an die Bar. Als hätten die Windsurferinnen und Windsurfer dem Meeresgott Neptun am ersten Tag zu oft in den Teich gepinkelt, zeigte sich dieser höchstbeleidigt und schickte auch an den darauffolgenden drei Tagen keine der sonst üblichen Weltklassewellen an den Strand. Pech für die Windsurfer, die sich nun mit der Sonne
auseinandersetzen mussten, die ungnädig vom Himmel brannte. Erst am sechsten Tag kam die Wettfahrtleitung mit der frohen Kunde: „Morgen kommen Wind und Welle.” Kaum mehr an das Gute glaubend, fiel die abendliche Party am Beach etwas moderater aus und pünktlich um Mitternacht lagen alle Surfer in den
Betten. Wer weiß, ob der Wettergott nicht doch Mitleid hatte?
Und er hatte Mitleid. An Tag 7 wurde tatsächlich die Single Elimination bei den Damen gestartet! Zuerst schindete Iballa Moreno bei den Juroren mächtig Eindruck und gewann damit die Single Elimination des Prestige-Events. Iballas Schwester Daida wurde zuvor von der topfitten Jennifer Henderson und der Japanerin Junki Nagoshi aus dem Event gekickt. So war der Weg für Iballa frei, sich den Weltmeistertitel
zu holen. Karin Jaggi musste sich hinter Iballa anstellen und bestieg damit das zweite Treppchen, nachdem sie knapp Junko Nagoshi besiegte, die während des gesamten Wettkampfs eine tadellose Leistung gezeigt hatte. Bei den Damen stand vor allem die aus Maui stammende Tatiana Howard heraus. Mit nur 20 Jahren beeindruckte sie die Zuschauer mit flüssigen und unglaublich stylischen Wellenritten. Für ihren ersten Halbfinal-Heat im Leben musste Tati sogar die Schule schwänzen – ein Vergehen, was auf Maui bestimmt nicht so schlimm geahndet wird wie in Deutschland.
Bei den Herren gab es hingegen einige Überraschungen, als der 2005er Weltmeister Kauli Seadi im Viertelfinale der Single Elimination von seinem Buddy Ricardo Campello rausgekickt wurde. Trotz dieser Leistung wurde Ricardo dann vom Starboard-Teamfahrer Levi Siver im Halbfinale geschlagen, der sich damit seinen Platz im Finale sicherte.
Im Single-Elimination-Finale der Herren schlief der Wind erneut ein und so mussten die vier Top-Fahrer Polakow, Siver, Kevin Pritchard und Angulo einen taktischen Kampf gegeneinander austragen. Niemand wollte drinnen sein, während die anderen draußen auf dem Wasser waren und womöglich eine Welle abbekamen. So testeten die Vier immer wieder gemeinsam eine Welle an und entschlossen sich dann wieder zu halsen und auf eine bessere zu warten. Mit der ganz großen Segelgarderobe beeindruckten die Windsurfer dennoch die Zuschauer am Strand, als sie trotz der miesen Bedingungen problemlos Aerials und Turns in die Wellen zirkelten. Am Ende war es nicht Polakows Tag und Siver setzte sich vor ihn. Den Kampf um den ersten und zweiten Platz trugen Pritchard und Angulo unter sich aus. Beim finalen Gong war es Angulo, der am Spot die Hosen anhatte und damit die Single Elimination gewann.
Der Finaltag bescherte Iballa Moreno den Weltmeistertitel, da sich die Wettfahrtleitung entschlossen hatte, nur die Double Elimination der Herren komplett durchzuziehen und keine Double Elimination der Damen mehr zu starten. Dafür wurde es bei den Herren umso spannender. Ricardo Campello zeigte seine beste Seite und gewann das Halbfinale der Double Elimination souverän mit sensationell performtem Goiter und spektakulären Cutbacks gegen Matt Pritchard. Dann ging es darum, die Double Elimination ebenfalls zu gewinnen. Dort lauerten bereits die gesetzten Finalisten der Single Elimination vom Vortag. Als der Viertplatzierte der Single Elimination, Polakow, als Erster gegen den Tagessieger Campello antrat, schien es, als könnten ihn nichts und niemand stoppen. 20 Jahre Wave-Erfahrung am Hookipa Beach kann man einfach nicht verleugnen und so räumte Polakow nicht nur Campello und anschließend Levi Sivers mit stylische Aerials ab, sondern machte auch Allstar Kevin Pritchard nieder. In einem atemberaubenden Battle begeisterte Polakow nicht nur die Zuschauer, sondern bewies vor allem der Jury, dass er die bessere Performance zu bieten hatte.
Während Polakow eine Spur der Vernichtung hinter sich ließ, wartete der Gewinner der Single Elimination, Josh Angulo, auf seinen Heat gegen Polakow. Auf dem Wasser zeigte sich dann, dass einen wahren Champion nichts aus der Fassung bringen kann. Angulo bewies starke Nerven und als Polakow in seinem Heat ein Monsterset an sich vorbeiziehen ließ, machte Angulo den Sack zu und sicherte sich den Eventtitel vor Polakow. Damit gehen unsere Glückwünsche an Iballa Moreno, die PWA-Weltmeisterin und Titelgewinnerin der Aloha Classics 2006, und an Kevin Pritchard, den neuen Weltmeister, sowie an Josh Angulo, den Aloha Classics Gewinner bei den Herren.
Weitere Informationen findest du unter www.pwaworldtour.com.



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